Aktiencrash = Marktversagen?

In den vergangenen Tagen sind die Aktienmärkte weltweit unter Druck geraten. Innerhalb weniger Tage hat der chinesische Markt annähernd 30% verloren, seit dem Top im Juni sogar 45%. Auch die Aktienmärkte in den etablierten Volkswirtschaften kamen unter Druck. So hatte sich der Deutsche Aktienindex (DAX) zwischenzeitlich um gut 20% von seinem Sommerhoch entfernt. Im Umfeld dieser extremen Marktbewegungen wurden Stimmen laut, dass diese ein Anzeichen dafür seien, dass die Märkte nicht mehr funktionieren würden. Doch ist das tatsächlich so?

Letztlich ist es nicht verwunderlich, dass der chinesische Aktienmarkt, der in den zwölf Monaten vor dem Platzen der Blase um 150% zugelegt hatte und dessen Bewertungen zwischenzeitlich auf astronomische Niveaus angestiegen waren, reif für eine Korrektur war. Ein Absturz war zwar politisch nicht gewünscht und die chinesische Regierung tat zeitweise auch alles, um die Abwärtsbewegung zu stoppen. So lockerte sie die Beschränkungen zum Kauf von Aktien für Versicherungen und Pensionsfonds, senkte Zinsen und Mindestreservesätze, verbot Neuemissionen und Verkäufe größerer Aktienpakete und führte Handelsbeschränkungen für Aktien ein, deren Kurse zu stark fielen.

Die jüngste Entwicklung zeigt jedoch deutlich, dass selbst die chinesische Regierung einen Crash nicht „verbieten“ kann. Letztlich haben sich am chinesischen Aktienmarkt schlussendlich doch die Marktkräfte durchgesetzt, indem sinkende Kurse gegen den erklärten politischen Willen für moderatere Bewertungen sorgten.

Doch ist die Reaktion der Aktienmärkte in den Industrieländern vom vergangenen Montag nicht ein Beleg für ein Versagen des Marktes dort? Zweifellos ist es so, dass der chinesische Aktienmarkt nicht unbedingt die weltweite Leitbörse ist. Der Absturz der chinesischen Börse verstärkte allerdings die Sorgen der Marktteilnehmer, dass dies ein deutlicher Indikator für eine harte Landung der Konjunktur im Reich der Mitte sein könnte. Wenn das so wäre, wovon wir nicht ausgehen, würde auch die Weltkonjunktur insgesamt in schwieriges Fahrwasser geraten. Und wenn das geschähe, hätte der Aktienmarkt seine Funktion als Frühwarnsystem für die Konjunktur perfekt erfüllt. Natürlich kann es immer wieder Fehlsignale geben, aber das war auch in der Vergangenheit häufig der Fall. Und natürlich übertreiben die Märkte – genau so, wie sie auch in der Vergangenheit übertrieben haben – nach oben und eben auch nach unten.

Zweifellos hat auch die in den letzten Jahren deutlich verschärfte Bankenregulierung einen gewissen Anteil an den Marktbewegungen. So hat sie dazu geführt, dass in den Kreditinstituten weniger Eigenhandel als in der Vergangenheit betrieben wird, was die Liquidität der Märkte spürbar reduziert. Eine geringere Liquidität der Märkte trägt letztlich dazu bei, dass die Ausschläge möglicherweise größer sind als bei vergleichbaren Ereignissen in der Vergangenheit. Daraus aber zu schließen, dass die Märkte ihre Funktionsfähigkeit verloren haben, halte ich für verfehlt.

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2 Kommentare

Volker Schurig

Inwieweit wird ein Kurssturz beeinflußt durch die Stopp-Loss-Konstellation vieler Aktionäre, die den Kursverfall ggf. lawinenartig beschleunigt?

DZ BANK Research

Guten Tag,

im Rahmen des modernen Portfolio- bzw. „Money“-Managements sind Stop-Loss-Orders nicht nur für die Anlageprofis ein alltägliches und selbstverständliches Instrument der Risikobegrenzung.
Erreicht der Kurs die Marke einer Stop-Loss-Order, verwandelt sich der Auftrag automatisch in eine Bestens-Order. Hierdurch ergibt sich durchaus die Gefahr, dass deutlichere Preisbewegungen durch eine Vielzahl von Stop-Loss-Orders ausgelöst werden können. Da jedoch die Stop-Loss-Orders durch die Marktteilnehmer individuell bestimmt werden, muss die Frage gestellt werden, ob es am Markt Punkte gibt, bei denen sich viele Investoren absichern wollen.
Hier zeigt sich auf Basis der „Technischen Analyse“, dass sich einige sog. „Kumulationspunkte“ am Markt ableiten lassen. Diese ergeben sich z.B. bei wichtigen Unterstützungen, in deren Bereich in der Vergangenheit bereits ein erhöhtes Handelsvolumen stattfand, bzw. bei wichtigen gleitenden Durchschnitten (wie etwa der 200-Tage Linie). Gerade diese wurde beim DAX am 19.08. nachhaltig durchbrochen und führte dann im Anschluss noch einmal zu deutlicheren Anschlussverkäufen. Es ist zu vermuten, dass auf dem Niveau der 200-Tage Linie (damals bei rund 10.950 Punkten) einige Stop-Loss-Orders ausgelöst wurden.

Beste Grüße

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