Risiken für die EWU-Exporte sind gestiegen

Die Bedeutung Chinas und der ölexportierenden Länder für die Exportwirtschaft der EWU erkennt man daran, dass trotz einer leicht rückläufigen Entwicklung im ersten Quartal dieses Jahres immer noch mehr als 15 Prozent der EWU-Exporte in diese Länder geliefert worden sind. Damit würde eine stärkere Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik Chinas und der ölexportierenden Länder sicherlich die Exporte aus der Währungsunion belasten und daher auch Wachstumspunkte kosten.

Die chinesische Volkswirtschaft hat sich für die Europäische Währungsunion insgesamt als wichtiger Handelspartner etabliert. Ablesbar ist dies an der historischen Entwicklung: Betrug der Anteil der Exporte aus der Eurozone (in der heutigen Form) nach China an den Gesamt-Exporten im Jahre 2000 gerade einmal 2,1 Prozent, ist er bis 2014 fast kontinuierlich bis auf 6,2 Prozent angestiegen. Auch die Bedeutung der Exporte in die ölexportierenden Länder hat zwischen 2000 und 2013 stark zugenommen: von einem Anteil von 6,5 Prozent im Jahre 2000 bis auf 12,0 Prozent vor zwei Jahren. 2014 ist er vor allem wegen der wirtschaftlichen Krise in Russland schon deutlich auf 11,2 Prozent zurückgegangen.

Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt machten im Jahr 2014 die Exporte nach China und in die ölexportierenden Länder kumuliert 3,2 Prozent aus. Davon entfielen 1,2 Prozentpunkte auf China und 2,0 Prozentpunkte auf die Gruppe der Erdölförder-länder. Würde man annehmen, dass die konjunkturelle Entwicklung in China sich tatsächlich deutlich verlangsamt und die Exporte der EWU nach China im Jahresvergleich beispielweise um 10 Prozent zurückgehen würden, dann ergäbe dies für sich genommen ein um 0,12 Prozentpunkte geringeres Wirtschaftswachstum in der EWU. Ein Nachfrage-einbruch aus den Erdölförderländern – im gleichen Ausmaß – würde zu einer Wachstumseinbuße von 0,2 Prozentpunkten führen.

Damit würde eine stärkere Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik Chinas und der ölexportierenden Länder sicherlich die Exporte aus der Währungsunion belasten und daher auch Wachstumspunkte kosten. Neben den direkten Einbußen durch geringere Exporte dürften auch indirekt über Nachfragerückgänge bei anderen Handelspartnern weitere wirtschaftliche Einbußen zu erwarten sein. Diese Risiken sollte man im Hinblick auf kommenden Konjunkturkennzahlen im Auge behalten.

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