Warum ist die deutsche Inflationsrate so niedrig?

Die deutsche Inflationsrate bewegt sich schon seit gut einem Jahr unterhalb der 1-Prozentmarke, aktuell steht sie bei nur 0,2 Prozent. Für den jüngsten Abwärtstrend der Teuerungsrate in Deutschland spielt vor allem der starke Rückgang der Energiepreise eine sehr wichtige Rolle. Zwar machen die Ausgaben für Energiegüter nur gut zehn Prozent des Warenkorbes aus. Dennoch sorgen sie dafür, dass die deutsche Inflationsrate derzeit nahe der Nulllinie verläuft. Ohne den Einfluss der Energiepreise läge die Teuerungsrate der Verbraucherpreise bei rund einem Prozent.

In den Jahren 2010 bis 2014 haben sowohl die Energie- als auch die Nahrungsmittelpreise noch tendenziell für eine höhere Verbraucherpreisinflation in Deutschland gesorgt, da sie überdurchschnittlich stark angestiegen sind. Dagegen haben sich vor allem langlebige Gebrauchsgüter, zu denen z.B. Haushaltsgeräte, Fernseher, Computer und Automobile zählen, in den letzten Jahren teils deutlich verbilligt.

Den stabilsten Preisauftrieb zeigten in den letzten Jahren die Dienstleistungspreise (einschließlich Wohnungsmiete). Auffällig ist, wie konstant die Mietteuerung nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in den letzten Jahren verlaufen ist und dass sich der ansteigende Trend bei den Immobilienpreisen bislang in den Wohnungsmieten noch überhaupt nicht niederzuschlagen scheint. Bei anderen Dienstleistungspreisen gab es in den letzten Jahren dagegen mehr Bewegung. Dafür hat vor allem der flächendeckende Mindestlohn gesorgt, der Anfang 2015 eingeführt worden ist. Derzeit steigen die Löhne im Dienstleistungsgewerbe insgesamt deutlich schneller als die Preise. Das sorgt bei den Unternehmen tendenziell für sinkende Gewinnmargen.

In einer guten Konjunkturphase dürften die Unternehmen versuchen, über Preisanhebungen ihre Gewinnmarge wieder zu verbessern. Damit ist in den kommenden Jahren im Durchschnitt sicherlich mit etwas stärker steigenden Dienstleistungspreisen zu rechnen. Wir gehen daher mittelfristig wieder von mehr Aufwärtsdruck bei den Dienstleistungspreisen aus. Wenn der Einfluss der niedrigen Energiepreise nachlässt, wird sich daher auch die Inflationsrate wieder nach oben bewegen. Für den Jahresdurchschnitt 2016 gehen wir von einer Teuerungsrate von 1,2 Prozent aus, 2017 dürfte die Inflationsrate dann wieder über ihren langjährigen Durchschnitt ansteigen und bei rund zwei Prozent liegen.

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