Euro-Inflation: Stabil trotz Ölpreisrückgang

Trotz eines erneut starken Ölpreisrückgangs konnte sich die harmonisierte Teuerungsrate für den Euroraum im August mit +0,2 Prozent auf dem Niveau des Vormonats stabilisieren. Zwar gingen einmal mehr die Energiepreise scharf zurück. Verglichen mit dem August des Jahres 2014 gaben sie um 7,1 Prozent nach. Dagegen versetzten sowohl Industriegüter als auch Nahrungsmittelpreise die Gesamtinflation unter Aufwärtsdruck und konnten so einen weiteren Rückgang verhindern. Die Dienstleistungspreise stiegen unverändert um +1,2 Prozent. Auch die Kernrate verharrte bei +1,0 Prozent – die Kernrate umfasst die weniger volatilen und stärker konjunkturabhängigen Preiskomponenten für Dienstleistungen und Industriegüter.

In den kommenden Monaten dürfte die Gesamt-Inflationsrate zunächst weiter nahe der Nulllinie pendeln. Abhängig von der weiteren Entwicklung der Energiepreise ist auch ein temporäres Abtauchen in die roten Zahlen nicht unwahrscheinlich. Deflationssorgen haben wir deshalb allerdings nicht. Denn zum einen behält die Kernrate einen komfortablen Abstand zur Nulllinie bei und hat sich in den vergangenen Monaten tendenziell eher beschleunigt. Bei einer Deflation sollte auch die Kernrate in Richtung Null tendieren oder darunter liegen. Zudem bedingt eine Deflation einen persistenten Preisrückgang – also den Verfall der Preise über einen längeren Zeitraum. Beide Entwicklungen halten wir aber gegenwärtig für nicht wahrscheinlich.

Zum Jahresende dürfte sich die Teuerungsrate aufgrund verschiedener Sondereffekte bereits wieder merklich beschleunigen. So sollten die Auswirkungen der stark gesunkenen Energiepreise zum Jahresende 2015 auslaufen und die Inflationsrate deutlich beflügeln. Außerdem arbeitet sich allmählich der geschwächte Außenwert des Euros durch die Wertschöpfungskette und sollte in den ersten Monaten des neuen Jahres weiteren Aufwärtsdruck auf die Preise im Euro-Raum aufbauen. Damit sehen wir die Euro-Inflationsrate sich zum Jahreswechsel wieder zügig der Ein-Prozent-Marke nähern.

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