China: Außenhandel im August deutlich geschwächt

Chinas Außenhandel hat im August ein gemischtes Bild gezeigt: Auf der einen Seite haben sich die Exporte etwas besser entwickelt als vom Marktkonsens erwartet und lagen wertmäßig „nur“ um -5,5 Prozent unter dem Vorjahr. Im Juli hatte das Minus noch bei -8,3 Prozent gelegen. Gleichzeitig sind aber die Importe zweistellig gesunken, und zwar um -13,8 Prozent (J/J). Im Juli hatte der Vorjahresabstand hier noch -8,1 Prozent betragen. Dieser überaus starke aktuelle Rückgang wurde vom Markt so nicht vorhergesehen, die Erwartung lag hier nur bei rund -8 Prozent. Vor allem aufgrund des starken Rückschlages bei den Importen sind sofort neue Befürchtungen aufgekommen, dass Chinas Binnennachfrage sich als Folge der Turbulenzen am dortigen Aktienmarkt nun vielleicht doch stärker abschwäche als gedacht und das Land unter Umständen vor einer empfindlichen Konjunkturabkühlung stehe – oder schon mitten drin sei. Aber geben die jüngsten Handelszahlen wirklich überzeugende Belege für einen breiten Konjunkturabschwung in China ab? Wir meinen nein.

Bei der Bewertung der rückläufigen Außenhandelszahlen ist zunächst zu berücksichtigen, dass drei negative Sondereffekte maßgeblich zu ihnen beigetragen haben: 1. Die Importwerte sind durch den starken Rückgang der Rohstoffpreise im Vergleich zum August des letzten Jahres deutlich nach unten verzerrt. 2. Im Vorfeld der großen Militärparade in Peking von Anfang September erfolgte ein weiträumiger Produktionsstopp in der Industrie, um „blauen Himmel“ über der chinesischen Hauptstadt garantieren zu können. Entsprechend ging auch der Bedarf an Importgütern temporär zurück. 3. Durch das Explosionsunglück im Containerhafen von Tianjin, immerhin des drittgrößten Hafens des Landes, wurde das Umschlagsvolumen, das den aktuellen Handelszahlen zugrundliegt, deutlich beeinträchtigt. Viele Schiffsladungen mussten zeitaufwendig umgeleitet werden und gehen damit wohl erst in die Außenhandelsstatistik vom September ein. Es sind hier also entsprechende Nachholeffekte vorprogrammiert.

Betrachtet man die Veränderungen der chinesischen Exporte und Importe im unmittelbaren, saisonbereinigten Vormonatsvergleich, so zeigt sich, dass sie sich etwas besser darstellen als dies der Vorjahresvergleich nahelegt: Zwar sind auch in diesem Vergleich die Importe gesunken, und zwar um -10,1 Prozent, aber die Exporte sind absolut gestiegen (+0,9 Prozent). Die sich erholende Konjunktur in den Industrieländern wird den chinesischen Export sicher stützen.

Wir erwarten, dass Chinas Importe im September und in den Monaten danach wieder anziehen werden. Die Verzerrung der wertmäßigen Importtätigkeit nach unten wird sich abschwächen, da der statistische Basiseffekt hoher Ölpreise im Vorjahr nun immer schwächer wird. Damit wird eine Quelle für immer wieder aufkeimende Konjunktursorgen an Einfluss verlieren. Weiter werden die Störungen des Handels durch die beschädigte Hafenlogistik in China bald beseitigt sein. Aber es gibt weitere Gründe, trotz der jüngsten Außenhandelsdaten mit Blick auf China nicht in Konjunkturpessimismus zu verfallen: Dass Chinas Binnennachfrage relativ robust bleiben wird, dafür sprechen bereits die guten Bedingungen für die private Kreditaufnahme im Nachgang zu den geldpolitischen Lockerungen der Notenbank. Die Industrietätigkeit im Inland könnte sich in den Herbstmonaten normalisieren, wenn die Investitions- und Produktionsstopps, die aus Umweltgründen verhängt worden sind, ausgelaufen sind. Schlussendlich dürfte auch die Regierung in Peking konjunkturpolitisch handeln, sollte sie sich aufgrund schwacher aktueller Wirtschaftsdaten dazu veranlasst sehen. Spielraum und geeignete Optionen zum Handeln hätte sie – sowohl im fiskal- als auch im geldpolitischen Bereich. Wir nehmen die jüngsten Außenhandelszahlen jedenfalls nicht zum Anlass, jetzt unsere BIP-Prognose für China zu verändern und bleiben bei der Erwartung eines Wachstums von 6,8 Prozent im laufenden Jahr und von 6,5 Prozent im Jahr 2016.

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