EWU: Stärkeres Wachstum im ersten Halbjahr 2015

Das Euro-Wirtschaftswachstum fiel im zweiten Quartal mit +0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal (Q/Q) etwas stärker aus als zunächst angegeben. Eurostat hatte vor einem Monat ein Plus von 0,3 Prozent gemeldet. Mit der Zweitschätzung wurden zudem Details zu den Verwendungskomponenten veröffentlicht. Demnach trugen der Konsum der privaten Haushalte +0,2 Prozentpunkte (Pp) und die staatlichen Konsumausgaben +0,1 Pp zum Euro-Wirtschaftswachstum des zweiten Quartals bei. Gerade für den privaten Konsum hat der niedrigere Ölpreis den Ausgabenspielraum der privaten Haushalte erweitert. Die Bruttoanlageinvestitionen schlugen mit -0,1 Pp hingegen leicht negativ zu Buche, ebenso wie die Vorratsveränderungen (-0,1 Pp). Vor allem aber die kräftigen Exporte machten sich positiv bemerkbar: Dank eines Exportzuwachses gegenüber dem ersten Quartal von +1,6 Prozent schob der positive Außenbeitrag das Euro-BIP mit +0,3 Pp merklich an. Hintergrund dürfte nicht zuletzt der niedrige Euro-Außenwert gewesen sein, der die Ausfuhr an Waren verbilligte und die Produktionskosten im Inland senkte.

Unter den Mitgliedsländern des Euro-Raums hielten sich die Änderungen gegenüber der Erstschätzung meist in Grenzen. In Italien, Griechenland und Litauen fiel das Plus um +0,1 Pp höher aus. In Finnland ist mit einer starken Aufwärtsrevision der ersten beiden Quartale das Thema Rezession vorerst vom Tisch: Das erste Quartal wurde auf 0,0 Prozent (zuvor -0,2 Prozent) und das zweite auf +0,2 Prozent (zuvor: -0,2 Prozent) hochrevidiert. Lediglich in Estland verschlechterte sich das Ergebnis leicht um -0,1 Pp.

Mit der Zweitschätzung wurden zudem leicht revidierte Daten für das Euro-BIP-Wachstum im ersten Quartal veröffentlicht. Auch diese Zahlen fielen erfreulicher aus. Für die ersten drei Monate des Jahres wurde der Zuwachs mit +0,5 Prozent leicht nach oben korrigiert (+0,1 Pp). Im ersten Quartal waren es vor allem die Bruttoinvestitionen, die die Nachfrage beflügelten.

Der Ausblick für die kommenden Monate bleibt trotz der Aufwärtsrevision unverändert. Eine merkliche Beschleunigung gegenüber dem zweiten Quartal sehen wir derzeit nicht. Das außenwirtschaftliche Umfeld bleibt unruhig und hat mit den jüngsten Sorgen um die weitere wirtschaftliche Entwicklung in China eine neue Belastung erfahren. Zudem dürfte die immer noch hohe Arbeitslosigkeit in vielen Euro-Ländern die Ausgabebereitschaft der privaten Haushalte nicht in dem Umfang steigen lassen, wie es die Entlastungen von den Energiepreisen nahelegen würden. Unserer Einschätzung nach haben daher die konjunkturellen Abwärtsrisiken für den Euro-Raum zuletzt zugenommen.

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