Deutsche Branchen und Weltkonjunktur – Abhängigkeit der Autoindustrie nimmt zu

Die Automobilindustrie präsentiert sich derzeit auf dem alle zwei Jahre stattfindenden Branchentreffpunkt IAA in sehr guter Verfassung. Die aktuelle Schwächephase in den Schwellenländern trübt jedoch den Ausblick für dieses Jahr etwas ein. Zwar wird der deutsche Automobilbau angesichts der guten Nachfrage in Deutschland, Europa und den USA das Jahr 2015 erfreulich abschließen können. Die Wachstumsdynamik fällt aber wegen der schwächelnden Nachfrage in China, dem größten PKW-Markt der Welt, und in weiteren Emerging Markets merklich gedämpfter aus.

Bei einer Analyse der Abhängigkeit deutscher Industriebranchen von der Weltkonjunktur im Zeitraum von 1992 bis 2015 erweist sich die Automobilindustrie trotz ihres weit überdurchschnittlichen Anteils beim Auslandsumsatzanteil langfristig als weniger abhängig als andere Branchen wie etwa die Chemie, die Gummi- und Kunststoffwaren, die Metallerzeugung und -bearbeitung, die Metallerzeugnisse, die elektrischen Ausrüstungen, die Elektronik, Messtechnik und Optik oder der Maschinenbau.

Bei einer Beschränkung des Betrachtungshorizonts auf die Zeit nach der Finanzmarktkrise (also ab dem Jahr 2011) ist die Autoindustrie jedoch bereits unter den fünf am meisten von der Weltkonjunktur abhängigen deutschen Branchen zu finden. Für die Jahre vor 2000 ist dagegen eine Beziehung zur Weltindustrieproduktion kaum nachzuweisen. Die Abhängigkeit der deutschen Automobilindustrie von der Weltkonjunktur hat also im Zeitverlauf deutlich zugelegt.

Der Kauf von Autos ist zwar vergleichsweise einkommenselastisch und damit eigentlich sehr anfällig für Krisen. Doch sind die deutschen Autobauer regional stark diversifiziert: Sie sind an allen internationalen Märkten präsent und produzieren auch vor Ort. Damit können sie auf lokale oder regionale Krisen relativ schnell reagieren und diese zudem weltweit zumeist gut kompensieren. Nur wirklich globale Krisen wie die Finanzmarktkrise können nicht ausreichend abgefangen werden.

Schwächen auf besonders wichtigen Teilmärkten wie eben in China bleiben jedoch trotzdem nicht ohne Auswirkungen auf die deutschen Automobilhersteller. So konnte die Automobilproduktion etwa im letzten Jahr noch um mehr als vier Prozent zulegen. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es trotz gestiegener Nachfrage in Deutschland und Westeuropa dagegen „nur“ noch etwas über zwei Prozent. Damit schneidet die deutsche Autoindustrie zusammen mit der Elektronik, Messtechnik und Optik in diesem Jahr aber noch am besten von allen exportabhängigen Branchen ab. Bei den elektrischen Ausrüstungen, im Maschinenbau, in der Metallerzeugung und -bearbeitung sowie in der Chemie blieben die bisherigen Produktionszahlen sogar unter dem Ergebnis für den Vorjahreszeitraum.

Die derzeitige Schwäche in China und anderen Schwellenländern lässt sich somit bereits an den Branchenergebnissen in diesem Jahr nachweisen. Auch das Wachstumstempo der gesamten Produktion im verarbeitenden Gewerbe sank deutlich von 1,9 Prozent im letzten Jahr auf nur noch 0,6 Prozent im bisherigen Jahresverlauf und selbst die Weltindustrieproduktion ging von 3,3 Prozent auf 2,2 Prozent zurück. Die Schwäche der Schwellenländer sorgt somit auch für ein merklich weniger dynamisches Weltwirtschaftswachstum.

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