Abgas-Skandal könnte spürbare Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben

Die deutsche Automobilindustrie ist die umsatzstärkste Industriebranche in Deutschland. Sie ist verantwortlich für fast zwanzig Prozent der gesamten Umsätze des verarbeitenden Gewerbes und beschäftigt rund 800.000 Arbeitnehmer. Im letzten Jahr nahm die Anzahl der Beschäftigten bei den Autoherstellern und -zulieferern um mehr als zwei Prozent zu.

Die Branche entwickelte sich auch in diesem Jahr bisher durchaus positiv. Produktion und Exporte konnten in den ersten acht Monaten um immerhin jeweils zwei Prozent zulegen. Die Nachfrage aus Deutschland und Westeuropa stieg noch stärker. Zudem wollte sich die Branche auf der Internationalen Automobilausstellung IAA als zukunftssicher und umweltfreundlich präsentieren.

Die Aufdeckung des Abgasskandals in den USA sorgt nun aber dafür, dass jedenfalls die Umweltfreundlichkeit in Frage gestellt wird. Unabhängig von den tatsächlich von den US-Behörden zukünftig verhängten Strafen ist der Dieselantrieb sein in den letzten Jahren nicht nur in den USA mühsam erarbeitetes Sauberkeits-Image erst einmal los. Dies kann sich zumindest in einer deutlich niedrigeren Nachfrage nach Dieselfahrzeugen in den USA äußern, was angesichts der Bedeutung des US-Marktes auch merkliche Auswirkungen auf die deutsche Autoindustrie und auf die deutsche Wirtschaft insgesamt nach sich ziehen könnte.

Die USA sind nach China der zweitgrößte PKW-Markt der Welt. Im letzten Jahr gingen fast 14 Prozent der deutschen Ausfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen dorthin. Dies entspricht einem Wert von 27,7 Mrd. Euro oder rund zwei Prozent der deutschen Ausfuhren insgesamt. Bezogen auf das deutsche Bruttoinlandsprodukt machten die Exporte der Autoindustrie damit fast ein Prozent aus.

Wenn der Autoabsatz der deutschen Hersteller in den USA nachhaltigen Schaden nehmen sollte, ist das damit gesamtwirtschaftlich ein durchaus bedeutsames Risiko. So würde ein möglicher Rückgang der deutschen KFZ-Ausfuhren in die USA als Folge des Skandals um z.B. 20 Prozent die deutsche Konjunktur rechnerisch immerhin um 0,2 Prozent dämpfen.

Außerdem bliebe ein solcher Rückgang wohl nicht ohne Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Der Personalaufbau der letzten Jahre dürfte sich dann kaum weiter fortsetzen. Allerdings liegt der letzte Beschäftigungsrückgang in der Automobilbranche auch schon einige Jahre zurück. Während der Finanzmarktkrise in den Jahren 2009 und 2010 ging der Personalbestand bei den Herstellern von Kraftwagen und -teilen um insgesamt rund sechs Prozent zurück.

Trotz der großen Bedeutung des US-Marktes für die deutsche Automobilindustrie ist es aber für genaue Prognosen noch zu früh. Immerhin zeigten andere große Rückrufaktionen und Strafzahlungen in den USA in der Vergangenheit zumeist langfristig kaum größere Auswirkungen auf das Kaufverhalten der US-Kunden. Ob das für die deutsche Dieseltechnologie aber auch gilt, bleibt abzuwarten.

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