Die US-Notenbank läuft dem Markt hinterher

Mit soliden Wachstumsraten zwischen 2 und 2 ½ Prozent hat sich die US-Konjunktur in den letzten zwei bis drei Jahren zuverlässig aufwärts entwickelt, auch wenn die Dynamik früherer Aufschwünge bislang nicht erreicht werden konnte. Die Inflationsrate liegt derzeit, vor allem aufgrund des schwachen Ölpreises, nur knapp oberhalb der Null-Linie. Die Kernrate allerdings, also die Verbraucherpreise ohne Energie und Nahrungsmittel, bewegt sich stabil zwischen 1,5 und 2 Prozent.

Seit dem Jahr 2010 steigt die Beschäftigung in den USA stabil mit rund 1 ¼ Prozent pro Jahr. Die Arbeitslosenquote sinkt stetig. Seit Anfang 2013 ist sie von 8% bis auf 5,1% zurückgegangen, das ist immerhin der niedrigste Wert seit mehr als sieben Jahren. Diese Quote liegt um mehr als einen Prozentpunkt unter dem langjährigen Mittelwert, selbst in früheren Phasen der Hochkonjunktur wurde die 5-Prozentmarke zumeist nicht für längere Zeit unterschritten. Dass der Erholungstrend am US-Arbeitsmarkt weiterhin anhält, zeigt auch der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit. Ebenfalls positiv zu bewerten ist die im Vergleich zum Vormonat deutlich gesunkene Zahl der unfreiwillig nur Teilzeit Arbeitenden.

Zuletzt gab es vom US-Arbeitsmarkt allerdings auch enttäuschende Meldungen. So blieb der Stellenaufbau im September hinter den Erwartungen zurück, die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft erhöhte sich nur um 142.000 Personen. Auch in den beiden Monaten zuvor fiel der Beschäftigungsaufbau um insgesamt knapp 60.000 Stellen schwächer aus als zunächst gemeldet. Nach dem jüngsten Report ist die auch Beschäftigungsdynamik im Bereich der Serviceunternehmen im dritten Quartal mit langsamerem Tempo gelaufen als es bisher den Anschein gehabt hatte. Und nicht nur das: Der Blick auf die vergangenen Quartale zeigt, dass seit dem kräftigen Schlussquartal 2014 der Jobmotor bei den Dienstleistern von Quartal zu Quartal jeweils etwas an Tempo eingebüßt hat. Dennoch: Immerhin sind von Juli bis September in diesem Wirtschaftsbereich mehr als eine halbe Million Arbeitsplätze entstanden. Und bei den Staats- und Kommunalbetrieben stieg die Zahl der Beschäftigten im dritten Quartal um 88.000 Personen, eine ähnlich kräftige Dynamik wurde zuletzt Ende 2008 verzeichnet.

Neben dem Arbeitsmarktbericht für September gab es in den letzten Tagen noch einige weitere enttäuschende Datenveröffentlichungen aus der US-Wirtschaft: So ist der viel beachtete Einkaufsmanagerbericht für die Region Chicago im September mit 48,7 deutlich unter die neutrale Marke von 50 Punkten gesunken, was ein Schrumpfen des Verarbeitenden Gewerbes im wichtigen Mittleren Westen impliziert. Der landesweite ISM-Index für die Industrie blieb mit 50,2 Punkten im September immerhin knapp im positiven Bereich, zeigte damit aber den schwächsten Wert seit Mai 2013. Die weltwirtschaftliche Schwächephase beginnt also offenbar, sich auch in den USA konjunkturdämpfend auszuwirken.

Die letzten wirtschaftlichen Indikatoren lassen nun wieder Zweifel aufkommen, ob die US Notenbank Fed die Zinsen in naher Zukunft doch noch anheben wird. Man bekommt zunehmend den Eindruck, dass die Fed den richtigen Zeitpunkt zur Zinsanhebung eigentlich schon lange verpasst hat. Aus heutiger Sicht hätte man die Notenbankzinsen in den USA bereits Mitte 2014 anheben sollen. Dies hat die Fed jedoch versäumt und seither läuft sie dem Markt hinterher. Es wirkt eher so, als ob sich die US Notenbank zwischen der Sorge um die Konjunktur und der Angst, in den nächsten wirtschaftlichen Abschwung mit dem aktuellen niedrigen Zinsniveau gehen zu müssen, nicht entscheiden kann. Entsprechend scheint es, dass die Fed sich zwischen den Notenbanksitzungen immer Mut zuspricht, um dann die Entscheidung für eine Zinsanhebung zu vertagen.

Aus meiner Sicht sollte die Fed die US-Notenbankzinsen so schnell wie möglich anheben, um sich zumindest einen kleinen Zinspuffer aufzubauen. Dieser kann dann wieder eingesetzt werden, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung abkühlt. Eine Zinsanhebung und ein moderater Aufwärtspfad bei den US-Notenbankzinsen könnten sich am Ende zudem als ein stabilisierendes Element für die Weltwirtschaft herausstellen, da mit einer solchen Entwicklung eine große Unsicherheit von den Investoren genommen würde. Trotz etwas höherer Notenbankzinsen dürfte das allgemeine Zinsniveau in den USA so niedrig bleiben, dass es die wirtschaftliche Entwicklung nicht bremst.

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