Deutsche Konjunktur war überraschend schwach in den Sommermonaten

Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Deutschland fielen recht enttäuschend aus. So ist die Produktion in der Industrie und im Baugewerbe im August um mehr als 1 % gesunken. Das ist der stärkste monatliche Rückgang seit einem Jahr. Auch die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe haben sich zuletzt schwach gezeigt, sie waren im August sogar schon den zweiten Monat in Folge rückläufig.

Sicherlich sollten einzelne Monatswerte – besonders in den Sommermonaten – nicht überbewertet werden. So weist das Bundeswirtschaftsministerium bei der Interpretation der Daten auch ausdrücklich darauf hin, dass der späte Termin der Sommerferien in vielen Bundesländern in diesem Jahr sicherlich zu dem schwachen August-Ergebnis in der Industrie beigetragen hat.

Aber auch unabhängig von kurzfristigen Schwankungen lässt sich nur wenig Aufwärtsdynamik im deutschen Industriesektor feststellen. Die Wachstumsrate der Industrieproduktion liegt derzeit allenfalls zwischen 1 und 2 %, und das ist deutlich weniger als in früheren Erholungsphasen. Hintergrund ist die Schwäche der Weltwirtschaft, die der international stark verflochtenen Industrie zu schaffen macht. In China lässt das Wachstum nach, andere wichtige Schwellenländer wie Brasilien und Russland stecken gar in der Rezession. Die Probleme in solch wichtigen Absatzmärkten lassen sich durch die gute Entwicklung beispielsweise in den USA und die Erholung im Euro-Raum nicht ganz kompensieren.

Gestützt wird die deutsche Konjunktur allerdings durch die positive Arbeitsmarktlage und den lebhaften privaten Konsum. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie nie zuvor im wiedervereinigten Deutschland, und die Einkommen der Beschäftigten steigen kräftig. Die Haushalte profitieren darüber hinaus von den gesunkenen Energiepreisen, die niedrige Inflationsrate lässt die reale Kaufkraft steigen. Die Kauflaune der Verbraucher wird durch die niedrigen Zinsen noch zusätzlich befeuert. In Juli und August lagen die Einzelhandelsumsätze sowohl nominal wie auch real um mehr als 3% höher als im Vorjahr, das sind die höchsten Zuwachsraten seit langer Zeit.

Insgesamt haben wir es also mit einer für Deutschland etwas untypischen, weil stark vom privaten Konsum getragenen Erholung zu tun. Die gesamtwirtschaftliche Dynamik ist zwar stabil, bleibt aber mit Raten um die 1 ½ % wohl auch in den kommenden Quartalen recht verhalten. Insgesamt rechnen wir mit einem BIP-Wachstum von 1,8% gg. Vj in 2015 und 1,6% in 2016.

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