Chinas FX-Reserven beruhigen die Gemüter

Auch wenn sich die Schockwellen der Finanzmarktturbulenzen von Mitte August gelegt zu haben scheinen, sollten wir deren Hintergründe nicht komplett verdrängen. Ohne Frage hat die Modifizierung des chinesischen Wechselkursregimes zu dieser sehr speziellen Gemengelage im Spätsommer beigetragen, auch wenn sie keinesfalls dafür ursächlich war, sondern eher als Katalysator verstärkend wirkte. Der befürchtete Abwertungswettlauf ist ausgeblieben, und der Yuan hat sich von seinen Tiefs wieder deutlich entfernt, was wir nicht zuletzt dem beherzten Eingreifen der Notenbank zu verdanken haben. Über die genaue Höhe der Interventionen sowie deren Zeitpunkt oder betroffene Währungspaare kann nur spekuliert werden. (Hier richtet sich der sehnsüchtige Blick des Analysten nach Japan, wo exakt diese Informationen sogar offiziell auf Tagesbasis zur Verfügung stehen.) Als Indiz für den Interventionsbedarf ziehen wir die Veränderung der Reserven heran, wohlwissend, dass diese erheblich durch den berüchtigten Bewertungseffekt geprägt sind.
Während Chinas sinkende Reserven in der zweiten Hälfte 2014 primär auf die globale USD-Stärke zurückzuführen gewesen sein dürften und kein Ausdruck von Interventionen gegen eine unerwünschte CNY-Schwäche sind, hat sich dies mit Blick auf den Sommer 2015 massiv gewandelt. Der Reserverückgang von knapp 94 Mrd. USD im August war das größte monatliche Minus in der Geschichte, und auch die frisch veröffentlichten Werte für das komplette dritte Quartal stellen mit 180 Mrd. USD den bisherigen Negativrekord (-113 Mrd. USD im ersten Quartal 2015) in den Schatten.

Letztere Zahl beherrscht derzeit die Schlagzeilen, uns liegt allerdings eine andere Interpretation auf dem Herzen: der Wert für September ist mit „nur“ 43,3 Mrd. USD nämlich spürbar niedriger als selbst die größten Optimisten im Vorfeld veranschlagt hatten. Diese gegenüber August wieder nachlassende Dynamik zeigt uns, dass der Interventionsbedarf nach dem Chaos des Vormonats wieder merklich zurückgegangen ist. Dies stellt nicht etwa unsere Annahme in Frage, dass auch weiterhin mit stetiger Kurspflege der chinesischen Notenbank (= Interventionen und Reserveabbau) zu rechnen ist. Allerdings sollte es ein klares Signal sein, dass die globale Panik vom August angesichts einer vermeintlich drohenden Kapitalflucht aus China und die Angst vor einem Erdrutsch des gigantischen chinesischen Reservebergs völlig überzogen waren. Die risikosensitiven Währungen, und darunter insbesondere die Rohstoffwährungen, nehmen diese Vorgaben derzeit dankbar auf.

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