China: Außenhandelszahlen nicht so schwach, wie es auf den ersten Blick scheint

Die Konjunktursorgen um China sind längst nicht abgeebbt, wie die Veröffentlichung der neuesten Wirtschaftsdaten heute gezeigt hat: Schwächesignale werden hoch gewichtet, positiven Aspekten dagegen weitaus weniger Beachtung geschenkt. Sicherlich sind die Zahlen zum chinesischen Außenhandel im September, die uns nun als erste „harte“ Indikatoren für den zurückliegenden Monat vorliegen, nicht geeignet, um Konjunkturoptimismus zu verbreiten. Sie sind aber auch nicht so schwach, wie sie auf den ersten Blick wirken und interpretiert werden. Entscheidend ist vor allem, dass sie keinen Beleg dafür liefern, dass das Wachstum in den vergangenen Wochen eingeknickt ist.

Nach Angaben der chinesischen Zollbehörde lagen die Ausfuhren Chinas im September 2015 um 3,7 Prozent unter dem Wert vom September letzten Jahres – das ist der dritte Monat mit einer negativen Wachstumsrate in Folge, auch für das Gesamtjahr steht inzwischen ein Minus der Exporttätigkeit zu Buche. Positiv ist allerdings, dass sich der Rückgang entgegen der Markterwartung verlangsamt hat (im August lag das jährliche Exportwachstum noch bei -5,5 Prozent), was an einem überdurchschnittlichen Anstieg der Ausfuhren im direkten Monatsvergleich lag – sie legten gegenüber August um kräftige 4,5 Prozent zu. Hierzu dürften zwar auch Nachholeffekte beigetragen haben, die nach den Sonderbelastungen im August (Werksschließungen für die Siegesparade und die Explosionen in der Hafenstadt Tianjin) nun zum Tragen kommen, grundsätzlich aber deutet die Entwicklung auf eine Erholung der Exportkonjunktur hin, was erst einmal beruhigend ist.

Bei den Einfuhren hat sich das Minus im Vorjahresvergleich dagegen von -13,8 auf -20,4 Prozent ausgeweitet. Dies ist zweifellos eine Enttäuschung, wenngleich auch hier nicht übersehen werden darf, dass die Importe im Verlauf des Septembers um 6,3 Prozent gestiegen sind, was durchaus dem saisontypischen Verlauf entspricht. Nur, dass der sehr kräftige monatliche Anstieg vom Vorjahr damit längst nicht erreicht werden konnte und ein negativer Basiseffekt entstand. Hinzu kommt, dass der deutliche Rückgang der Rohstoffpreise den Wert der Importe weiterhin stark reduziert – in realer Rechnung lagen die Einfuhren zur Jahresmitte leicht im Plus. Für August und September liegen zwar noch keine Daten zu den Importpreisen vor, die Betrachtung der Importvolumina einzelner Warengruppen deutet aber darauf hin, dass die reale Importnachfrage zuletzt weitaus weniger schwach war, als die nominalen Zahlen dies implizieren. Der Import von Industriemetallen beispielsweise stieg in realer Rechnung, vermutlich aufgrund der zuletzt ausgeweiteten staatlichen Infrastrukturinvestitionen.

Ebenfalls vielversprechend ist der zeitgleich gemeldete Anstieg des Automobilabsatzes im September, der um über 20 Prozent gegenüber dem Vormonat zulegte und erstmals seit einem halben Jahr auch im Vorjahresvergleich wieder um gut 2 Prozent im Plus lag. Möglich, dass sich hier bereits erste positive Effekte des Steuernachlasses, den die chinesische Regierung Ende September für Kleinwagenkäufe eingeführt hat, bemerkbar machen, die in den kommenden Monaten unseres Erachtens noch deutlicher werden dürften.

Was bedeuten die Daten nun für die BIP-Zahlen für das dritte Quartal, die Anfang nächster Woche veröffentlicht werden? Grundsätzlich erfahren gerade die Angaben zum Wirtschaftswachstum besondere Beachtung und deshalb unterliegen sie auch am ehesten politischem Einfluss in Form von Glättung und Beschönigung der veröffentlichten Werte. Unsere Berechnungen mit alternativen Wachstumsindikatoren kommen zu dem Ergebnis, dass das Wirtschaftswachstum in der ersten Jahreshälfte wohl eher im Bereich von 5 Prozent als – wie offiziell gemeldet – bei 7 Prozent lag, sich in den letzten beiden Monaten jedoch – gegen den allgemeinen Pessimismus – wieder etwas stabilisiert hat. Wir gehen zwar davon aus, dass Peking für das zurückliegende Quartal ein etwas schwächeres Wachstum in Höhe von 6,7 Prozent ausweisen wird. Diese – immer noch nur leichte – Wachstumszielverfehlung einzugestehen, wäre unserer Ansicht nach notwendig, um die Glaubwürdigkeit der chinesischen Wirtschaftsstatistik nicht völlig zu verlieren. Der Wert dürfte dann zumindest wieder deutlich näher am tatsächlichen Wachstumstrend liegen als in den vorangegangenen drei bis vier Quartalen.

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