US-Aktienmarkt: Diese Berichtssaison wird unerfreulich

Die in den USA bereits begonnene Bilanzsaison zu den Zahlen zum dritten Quartal dürfte erneut deutliche Enttäuschungen bringen. Der niedrige Rohölpreis und der feste US-Dollar belasten die Gewinne der Unternehmen schon seit geraumer Zeit, dies dürfte sich im abgelaufenen Quartal nicht wesentlich geändert haben. Hinzu kamen jüngst Sorgen um eine stärkere Konjunkturabschwächung in China. Zwar ist der chinesische Markt kein besonders wichtiger Absatzmarkt für die amerikanischen S&P 500-Unternehmen – nur knapp zwei Prozent des Umsatzes wird dort erzielt – bei einzelnen Branchen spielt China aber eine gewichtige Rolle. Hier sind insbesondere die Sektoren Technologie (Umsatzanteil China gemäß Bloomberg-Angaben: 5,5%), Konsumgüter (3,6%), Werkstoffe und Industrie (beide 2,6%) zu nennen. Mit Caterpillar und Yum Brands haben bereits zwei stark China-fokussierte Unternehmen deftige Gewinnwarnungen ausgesprochen.

Insbesondere wegen des Einbruchs der Gewinne im Energiesektor dürfte der Indexgewinn beim S&P 500 im dritten Quartal laut des Datenanbieters Factset um 5,2% gefallen sein. Üblicherweise fielen in der Vergangenheit die tatsächlichen Ergebnisse besser aus, als es Analysten vor dem Beginn der Bilanzsaison erwartet hatten. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass dies wegen der bereits genannten Belastungen diesmal nicht der Fall sein wird, vielmehr gibt es durchaus noch Abwärtsrisiken, auch wegen der Abschwächung des Wachstums in den Emerging Marktes.

Den Unternehmen im amerikanischen Leitindex droht somit eine Gewinnrezession, also das zweite Quartal in Folge mit Gewinnrückgängen. Im zweiten Quartal waren die Gewinne bereits um ein Prozent gegenüber Vorjahr gefallen. Dies gibt Anlass zur Sorge, denn in den vergangenen 30 Jahren waren derartige Gewinnrückgänge – und die damit verbundenen Margenrückgänge – bei den S&P 500-Unternehmen oft ein Vorbote für eine Rezession in den USA. Bisher waren die Probleme auf die Unternehmen des Ölsektors beschränkt, zwischenzeitlich ist die Gewinnschwäche aber auch auf Gesellschaften aus den Branchen Bergbau, Versorger und deren diversen Zulieferer übergesprungen. Auch für den Sektor nicht-zyklischer Konsum wird im dritten Quartal mit einem Rückgang der Gewinne gerechnet.

Tatsächlich dürfte die Situation bei den US-Unternehmen sogar negativer sein, als es die aktuellen Zahlen vermuten lassen. Ein Großteil der Gewinnsteigerungen während der vergangenen Jahre ging auch auf die großen Aktienrückkaufprogramme zurück: Durch diese stiegen die Gewinne je Aktie, weil der Unternehmensgewinn auf weniger verfügbare Aktien verteilt wird. Das „Brot-und-Butter“-Geschäft für die S&P-Unternehmen bleiben die USA selbst: Im heimischen Markt werden zwei Drittel der Umsätze getätigt. Vor diesem Hintergrund sollten Anleger ihr Augenmerk verstärkt darauf richten, wie sich die Unternehmen zum Verlauf der Geschäfte in den USA äußern.

Für den US-Aktienmarkt bleiben die Aussichten damit sehr verhalten. Der Mix aus hoher Bewertung und anhaltenden Gewinnrevisionen nimmt dem Markt die Kursfantasie. Auch im Assetklassen-übergreifenden Kontext sind Aktien per se weniger spannend geworden: Bereits heute fällt die Dividendenrendite im S&P 500 mit 2,1% nur „noch“ so hoch aus wie die Rendite bei US-Staatsanleihen zehnjähriger Laufzeit.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *