Italien: Ende einer langen Rezession

Die italienische Volkswirtschaft hat in den Jahren 2012 bis 2014 drei Jahre lang eine ausgeprägte Rezession durchlaufen. Seit Anfang 2015 hat Italien jedoch die lange Schwächephase hinter sich gelassen. In den ersten zwei Quartalen wurden wieder positive Wachstumszahlen verzeichnet. Die Konjunkturbelebung ist in vielen Bereichen sichtbar. Die Stimmung unter den Unternehmen und Verbrauchern hat sich in den zurückliegenden Monaten aufgehellt. In der Industrie werden Produktionszuwächse nicht mehr nur für den Export verbucht. Die Beschäftigung legt zu und die Ausgabenfreudigkeit der Verbraucher steigt. Zusammengenommen steht der beginnende Aufschwung auf einem recht breiten Fundament.

Die Exportnachfrage war während der Rezession eine wesentliche Stütze der Konjunktur gewesen. Sie hat ein noch tieferes Abrutschen der italienischen Volkswirtschaft verhindert. Die Nachfrage aus dem Inland durchlief dagegen eine lange Talsohle. Inzwischen zieht jedoch die Inlandsnachfrage merklich an, auch wenn es bis zum Ausgleich der erlittenen Rückgänge noch ein weiter Weg ist. Besonders erfreulich dabei ist, dass die Bestellungen und die Erzeugung von Investitionsgütern wieder steigen, denn der Rückgang bei den Investitionsausgaben der Unternehmen fiel noch stärker aus als der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts selbst. Insgesamt sind die Weichen für eine Festigung der konjunkturellen Erholung gestellt.

Damit sich diese tatsächlich fortsetzt, müssen jedoch bestehende Probleme angegangen werden. Mit einem Schuldenstand in Relation zur Wirtschaftsleistung von 132 Prozent in 2014 weist Italien nach Griechenland die höchste Schuldenquote innerhalb der Europäischen Währungsunion auf. Die angespannte Lage der öffentlichen Finanzen hat Italien anfällig gemacht und immer wieder in den Blickpunkt der Märkte gerückt. Andere Problembereiche liegen in der noch immer geringen Produktivität der italienischen Volkswirtschaft. Diese ist eng verzahnt mit Ineffizienzen in der öffentlichen Verwaltung. Wenn es der italienischen Regierung gelingt, die Staatsfinanzen nachhaltiger zu gestalten und über den begonnenen Reformprozess die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft zu verbessern, dann wird dadurch der Weg für einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung geebnet.

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