EZB rüstet sich für expansivere Gangart – Dezember im Blick

Ausweitung des QE-Programmes zur Dezember-Sitzung sehr wahrscheinlich

Die europäischen Währungshüter haben heute nicht in Frankfurt, sondern auf Malta über die Ausrichtung ihrer Geldpolitik debattiert. Erwartungsgemäß haben die Notenbank-Oberen die Leitzinsen unverändert belassen. Vor dem Hintergrund der sich zuletzt belebenden Spekulationen auf eine Ausweitung des EZB-Anleiheankaufprogrammes lag der Fokus der Marktbeobachter ohnehin auf den Ausführungen Draghis im Rahmen der Pressekonferenz.

Dabei hat der Notenbankchef zunächst auf die schwache aber fortgesetzte konjunkturelle Erholung in der Eurozone hingewiesen. Wie bereits zur September-Sitzung hat Draghi allerdings vor bestehenden Abwärtsrisiken für die Konjunkturentwicklung gewarnt. In diesem Zusammenhang sieht der EZB-Rat die Möglichkeit, dass sich die Inflation langsamer aufwärts entwickelt als ursprünglich angenommen. Im Zuge der Dezember-Sitzung werden die Notenbank-Oberen intensiv über die weiteren Aussichten für die Konjunktur- und Inflationsentwicklung beraten. So veröffentlichen die EZB-Stabsmitarbeiter zum Jahresende turnusgemäß ihre neuen Projektionen. Abhängig vom weiteren Konjunktur- und Inflationsausblick werde die Notenbank dann über eine Anpassung der Geldpolitik entscheiden. Um den bestehenden Abwärtsrisiken für die Konjunktur- und Inflationsentwicklung Rechnung zu tragen, hat der EZB-Chef mit Nachdruck den Handlungswillen und die Handlungsfähigkeit der Notenbank hervorgehoben. Vor diesem Hintergrund ist unserer Einschätzung nach eine weitere Verlängerung des Anleiheankaufprogrammes zur Dezember-Sitzung sehr wahrscheinlich geworden.

Im Zuge der Pressekonferenz wurde Draghi gefragt, welche Handlungsoptionen die Notenbank grundsätzlich noch hätte, um die Geldpolitik noch expansiver zu gestalten. In diesem Zusammenhang hat der Notenbankchef hervorgehoben, dass die Notenbank hier verschiedene Möglichkeiten habe. So sei das Anleiheankaufprogramm flexibel gestaltet, um Anpassungen vornehmen zu können. Zugleich hat Draghi aber auch betont, dass eine Senkung des EZB-Einlagensatzes nicht ausgeschlossen werden könne. Dem EZB-Chef zufolge haben die EZB-Mitarbeiter den Auftrag erhalten, die Vor- und Nachteile der jeweiligen Handlungsoptionen zu prüfen.

Wir erwarten am ehesten eine zeitliche Verlängerung des Anleiheankaufprogramms mit einem offenen Ende. Ein solcher Beschluss sollte an den Finanzmärkten durchaus Eindruck hinterlassen, vermittelt die Notenbank doch damit ihren unbedingten Willen, das Inflationsziel von unter aber nahe zwei Prozent wieder erreichen zu wollen. Wir halten einen solchen Schritt der EZB auch für geeignet, die längerfristigen Inflationserwartungen wieder auf höheren Niveaus zu verankern. Zudem könnte sich die EZB noch für einen längeren Zeitraum von der Geldpolitik der US-Notenbank abgrenzen, welche derzeit eine Straffung ihrer geldpolitischen Ausrichtung in Erwägung zieht. Die unterschiedliche Marschrichtung der Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks sollte unserer Ansicht nach dazu führen, dass die europäische Einheitswährung unter Abwertungsdruck gerät. Dadurch würde zum einen der europäische Außenhandel unterstützt und zum anderen würden Importgüter verteuert, was wiederum potenziellen deflationären Tendenzen in der Eurozone entgegenwirkt.

Eine mögliche Verlängerung des Anleiheankaufprogrammes stellt die EZB allerdings vor neue Herausforderungen. So sehen wir einen möglichen „Engpass“ an ankaufbaren Wertpapieren unter anderem von deutschen Emittenten. Mit einer Ausweitung des Anleiheankaufprogrammes dürfte daher auch eine Erweiterung des Katalogs der kaufbaren Anleihen einhergehen.

Eine erneute Senkung des EZB-Einlagensatzes wäre in unseren Augen mit Blick auf die Stabilität des Finanzsektors mit gewissen Risiken verbunden. So würde der Bankensektor durch steigende Kosten für die „aufgezwungene“ Liquiditätshaltung zusätzlich belastet.

Im Zuge der Frage-und-Antwort-Runde hat Draghi durchblicken lassen, dass sich einige Ratsvertreter bereits im Zuge der heutigen Beratungen für eine Ausweitung des geldpolitischen Stimulus ausgesprochen haben. Wir gehen davon aus, dass die Notenbank-Oberen den Beschluss für eine Ausweitung der geldpolitischen Expansion im Dezember treffen werden. So ist eine Abwärtsrevision der Konjunktur- und Inflationsprojektionen der EZB-Stabsmitarbeiter sehr wahrscheinlich.

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