EUR-PLN: Regierungswechsel in Polen

Die polnische Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) ist wie erwartet als stärkste politische Kraft aus den gestrigen Parlamentswahlen hervorgegangen. Neben der politischen Unzufriedenheit der Bürger und, damit verbunden, ihrem Wunsch nach einem politischen Neuanfang, profitierte die PiS mit ihrer Spitzenkandidatin Beata Szydlo auch von ihrer Haltung in der Flüchtlingskrise. Sie erzielte aktuellen Angaben zufolge 37,7% der Stimmen und verwies damit die bisherige Regierungspartei Bürgerplattform (PO) nach acht Jahren in der Regierung wieder auf die Oppositionsbank. Die PO konnte nur noch 23,6% der Wählerstimmen auf sich vereinen (zur Erinnerung: bei der letzten Wahl 2011 stimmten noch knapp 40% der Wähler für die liberal-konservative Partei). Die drittstärkste politische Kraft in Polen wurde die konservative Bewegung Kukiz´15 des Rockmusikers Pawel Kukiz. Er erreichte knapp 9% der Wählerstimmen. Insgesamt sind im polnischen Parlament fünf Parteien vertreten. Den aktuellen Hochrechnungen zufolge kann die EU-skeptische PiS damit auf 232 Sitze im neuen Parlament hoffen und würde damit knapp die absolute Mehrheit erzielen. Um diese zu erreichen, hätten 231 Mandate genügt. Der PO dürften 137 und der Kukiz´15 Bewegung 42 Abgeordnetensitze zukommen.

Sollte die PiS-Regierung unter Federführung von Beata Szydlo trotz ihrer zu erwartenden expansiveren Ausgabepolitik, wie angekündigt, die 3%/BIP-Grenze beim Budget im Auge behalten, dürften die aktuellen (geld-) politischen Entwicklungen für den Zloty nicht zu einem dauerhaft dominierenden Belastungsfaktor werden, zumal die PiS ja selbst an einem robusten Wirtschaftswachstum in Polen interessiert ist. Allerdings ist davon auszugehen, dass künftig vermehrt (geld-) politische „Hiobsbotschaften“ über die Ticker laufen und somit für eine erhöhte Volatilität im PLN-Wechselkurs sorgen werden. Was den Zloty betrifft, sollte er sich, sobald sich die politischen Wogen geglättet haben, wieder anderen devisenmarktrelevanten Themen zuwenden. Hierbei dürfte er neben dem weltweiten EM-Sentiment besonders die Entwicklung des Euro im Blick haben. Da sich die polnische Wirtschaft im Vergleich zu vielen anderen Schwellenländern weiterhin in recht robuster Verfassung präsentieren dürfte, und da sich der Euro in den kommenden Monaten von seiner schwächeren Seite zeigen sollte, gestehen wir dem Zloty gegenüber der Gemeinschaftswährung mittelfristig weiterhin ein moderates Aufwärtspotenzial zu.

 

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