Ifo-Index: Gebremste Euphorie im deutschen Einzelhandel

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Oktober leicht gefallen – allerdings nach zuvor drei Anstiegen in Folge. Während die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate im laufenden Monat deutlich besser ausfielen als erwartet, gab es bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage eine Enttäuschung.

Das aktuelle Umfrageergebnis deutet insgesamt auf eine weiterhin robuste Konjunkturentwicklung in Deutschland hin. Gestützt wurde sie in den vergangenen Monaten vor allem von der lebhaften Konsumnachfrage der privaten Haushalte, die besonders im Einzelhandel für gute Geschäfte und ein Stimmungshoch sorgte. Im Oktober ist beim Einzelhandelsklima jedoch ein Rückschlag zu verzeichnen, Anlass zur Euphorie besteht trotz der zuletzt sehr positiven Entwicklung also nicht. Auch bei der Industrie gab es im Oktober ein etwas schwächeres Ergebnis, hier sorgen die diversen Probleme im internationalen Umfeld allerdings schon seit einigen Monaten für eine gewisse Ernüchterung. Interessant ist aber in diesem Zusammenhang, dass sich nach ifo-Angaben die Stimmung in der Autoindustrie trotz des Abgas-Skandals zuletzt sogar verbessert hat. Gestützt hat im abgelaufenen Monat einmal mehr die Bauwirtschaft: Die Unternehmen der Baubranche sind derzeit so zufrieden mit ihren Geschäften wie selten zuvor in den letzten Jahren. Niedrige Zinsen, fehlende Anlagealternativen und die Suche nach Sicherheit sorgen bei den privaten Haushalten für eine neue Liebe zum Betongold. Der hohe Investitionsbedarf des Staates dürfte sich in den nächsten Jahren ebenfalls förderlich für die Baukonjunktur auswirken.

Für den Ausblick auf die Konjunktur Anfang des kommenden Jahres ist es tendenziell ein ermutigendes Zeichen, dass der Abstand zwischen Lageeinschätzung und Geschäftserwartungen in der aktuellen ifo-Umfrage weiter zurückgegangen ist. Denn ein großer Rückstand der Erwartungen auf die aktuelle Geschäftslage signalisiert eine erhöhte Rückschlagsgefahr für die nächsten Monate. Einer weiteren durchgreifenden Aufhellung der Geschäftserwartungen stehen bei den Industrieunternehmen derzeit jedoch vor allem die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten in einigen wichtigen Schwellenländern entgegen.

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