EZB-Anleihenkaufprogramm: Kaum Impulse für die Kreditvergabe im Euroraum

Wie aus den heute von der EZB veröffentlichten Zahlen hervorgeht, ist die Geldmenge M3 im Euroraum im September mit einer Jahreswachstumsrate von 4,9 und M1 mit 11,7 Prozent gewachsen. Dem steht eine Zunahme der Kredite privater Haushalte von lediglich 1,1 Prozent gegenüber. Das ist kaum mehr als im August. Noch niedriger ist die Zuwachsrate im Firmenkundenkredit, die mit 0,1 Prozent kaum messbar war und deutlich schwächer ausfiel als im Vormonat. Die Zahlen verdeutlichen, dass die von der EZB erhoffte Ankurbelung der Kreditvergabe durch das Anleihenkaufprogramm nicht so recht in Gang kommen will.

Die Gründe sind jedoch vielschichtig. In Deutschland ist das vor allem die fehlende Kreditnachfrage. So profitieren Unternehmen vom guten Cash Flow, der es ihnen erleichtert, einen Teil der Investitionen selbst zu finanzieren. Etwas stärker ist die Immobilien-Kreditnachfrage der privaten Haushalte, die vom Neubau und einer hohen Nachfrage nach Wohneigentum getragen wird. Hinzu kommen günstige Zinsen in Verbindung mit steigenden Immobilienpreisen in den Ballungszentren. Während die Unternehmenskredite in den letzten Monaten stagnierten und phasenweise sogar schrumpften, wuchsen die privaten Wohnungsbaukredite in Deutschland um rund dreieinhalb Prozent. In der aktuellen Situation sieht das ganz gut aus. Im historischen Vergleich fällt die Wachstumsrate jedoch eher mittelmäßig aus.

Während in Deutschland ausschließlich die schwache Nachfrage für die mageren Kreditzuwächse verantwortlich ist, spielen in Südeuropa tatsächlich auch Angebotsaspekte eine Rolle. Zwar sorgt das Anleihenkaufprogramm der EZB dafür, dass grundsätzlich ausreichend Mittel im Markt sind und den Banken Refinanzierungswege offen stehen. Allerdings sind diverse Banken in Spanien, Italien, Portugal und Griechenland noch nicht in der Lage ihr Kreditgeschäft stark auszudehnen, weil der Gesundungsprozess nach der Banken- und Finanzmarktkrise noch nicht abgeschlossen ist. Zu den Problemen gehören neben einer engen Eigenkapitalausstattung vor allem auch hohe Quoten „fauler Kredite“. Obwohl der Anteil zweifelhafter und notleidender Kredite in einigen Ländern in jüngster Vergangenheit etwas reduziert werden konnte, bleibt die Lage in Sudeuropa immer noch äußerst angespannt. Zwar gibt es verstärkte Bemühungen, belastete Kreditengagements aus der Bilanz zu bekommen, um den Anforderungen der Aufsicht zu genügen und sich bessere Zukunftsperspektiven zu verschaffen. Trotzdem sehen sich viele Banken in Südeuropa gezwungen, im Neukreditgeschäft weiterhin vorsichtig zu agieren. Dabei geht es vor allem darum, sich möglichst wenig Risiko über das Neugeschäft in die Bücher zu holen. Obwohl die Bilanzbereinigungsmaßnahmen Freiraum für das Neugeschäft schaffen und grundsätzlich auch hoher Kreditbedarf besteht, fehlt es in Südeuropa vor allem noch an Kreditnachfrage mit geringen oder vertretbaren Risiken. Die entsteht erst allmählich mit einem sich verfestigenden konjunkturellen Aufschwung.

Die Tatsache, dass die Kreditvergabe im Euroraum trotz eines gigantischen Anleihekaufprogramms und niedriger Zinsen nicht richtig in Gang kommen will, zeigt, dass die EZB in ihrer Funktion als Zentralbank nur eingeschränkte Möglichkeiten besitzt. Die aktuelle Geldmengen- und Kreditentwicklung verdeutlicht auch, dass kein Weg an einer nachhaltigen Gesundung des Bankensektors und wirksamen wirtschaftspolitischen Reformen vorbeiführt. Neben dem europäischen Gesetzgeber und den nationalen Regierungen ist hier auch die EZB in ihrer Funktion als Bankenaufsicht gefragt.

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