US-Wirtschaft: Gedrosseltes Tempo im dritten Quartal, aber weiter kräftiger Konsum

Das Wachstum der US-Wirtschaft im dritten Quartal ist deutlich hinter der Dynamik vom Vorquartal zurückgeblieben. Auf eine kräftige Steigerung um 3,9 Prozent im zweiten Quartal folgte gemäß der heute veröffentlichten ersten Schätzung des Statistikamtes ein recht schwacher Anstieg um 1,5 Prozent (annualisiert). Doch nur auf den ersten Blick kann diese Meldung zu der Schlussfolgerung verleiten, dass die Fed – angesichts dieser Verlangsamung der wirtschaftlichen Dynamik – ja wohl kaum noch in diesem Jahr eine erste Zinserhöhung vornehmen wird. Denn der Hauptgrund für das vergleichsweise schwache Wachstum ist der bremsende Effekt, der von einem Abbau der Lagervorräte ausging: Dieser subtrahiert allein 1,4-Prozentpunkte vom Wachstum der US-Wirtschaft. Dieser Sondereffekt ist damit die Hauptursache für das vermeintlich gedrosselte Tempo. Der private Konsum hielt indes die kräftige Dynamik der vorherigen Quartale: Allein die Kauflaune der US-Konsumenten lieferte das fünfte Quartal in Folge einen Wachstumsbeitrag von über 2-Prozentpunkten. Darüber hinaus ist die rote Null, die der Außenhandel zu den heutigen Zahlen beigetragen hat, eine vergleichsweise positive Entwicklung. Denn neben der Schwäche des Welthandels lastet auch die anhaltende Stärke des US-Dollars auf den Warenausfuhren. Während der Gewerbebau merklich unter der Krise in der Ölindustrie leidet, so hat sich der Wohnungsbau ähnlich wie der private Konsum als ein verlässlicher Lieferant für das gesamtwirtschaftliche Wachstum etabliert. Auch wenn mit durchschnittlich 0,25-Prozentpunkten sein Wachstumsbeitrag deutlich schwächer ausfällt, so ist der private Konsum nicht der alleinige Wachstumsträger in den USA.

Nach unserer Einschätzung dürfte die robuste Inlandsnachfrage auch in den kommenden Quartalen für anhaltendes Wachstum sorgen. In Anbetracht der inzwischen recht guten Lage am Arbeitsmarkt sollte der private Konsum weiterhin mit einer soliden Drehzahl wachsen. Der Schwäche in der Industrie dürfte eine robuste Bautätigkeit im Wohnungsbereich gegenüber stehen, auch wenn sich diese von den Einfamilienhäusern in den Bereich der Mietwohnungen verlagert hat. Letztendlich mindert diese Entwicklung die drohende Gefahr einer erneuten Blase am Immobilienmarkt. Das hohe Niveau der Häuserpreise, das im landesweiten Durchschnitt bereits wieder das Vorkrisenniveau überschritten hat, dürfte von der Fed wohl ebenfalls mit Sorge betrachtet werden.

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