EWU-Inflationsrate: Wie lange bremst der Ölpreis noch?

Die Inflationsrate im Euro-Raum beträgt im Oktober nach vorläufiger Berechnung 0,0 Prozent, nach einer negativen Rate von -0,1 Prozent im September. Energie und Energiegüter im Warenkorb der Verbraucher verbilligten sich im Jahresvergleich zuletzt um -8,7 Prozent. Dieser Rückgang fiel etwas weniger stark aus als im Vormonat, dennoch war er erneut stark genug, die Preissteigerungen bei den übrigen Komponenten zu neutralisieren.

Der Rückgang der Energiepreise bleibt für die Inflationsentwicklung auch in den kommenden Monaten der bestimmende Faktor. Bewegt sich der Ölpreis weiterhin in dem Band von 45 bis 50 US-Dollar, dann dürfte der preissenkende Effekt auf die Energiekomponente Monat für Monat an Stärke verlieren, er wird aber erst zur Jahresmitte 2016 allmählich auslaufen. Erst danach wäre bei den Verbraucherpreisen in der EWU ein deutlich stärkeres Anziehen zu erwarten. Bis die Inflationsrate dann wieder Regionen erreicht, die der Idealvorstellung der EZB entsprechen, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen. Erst Ende 2017 dürfte aus unserer Sicht wieder der Bereich von „nahe, aber kleiner 2 Prozent“ erreicht werden.

Wie die EZB damit umgeht, ist fraglich. Sie befindet sich in einer schwierigen Lage, denn die Energiepreise kann sie mittels ihrer geldpolitischen Maßnahmen kaum beeinflussen. Allenfalls könnte sie über den Wechselkurs die Importe für Energie mittelbar verteuern. Diese Strategie ist bisher aber nur von mäßigem Erfolg gekrönt gewesen. Und alle bisher umgesetzten Instrumente – vor allem Niedrigzinspolitik und die quantitative Lockerung – haben bislang nicht zu einer stärkeren Inflationsentwicklung geführt.

Die Kerninflation, also die Inflationsrate ohne die volatilen Bereiche Energie und Nahrungsmittel, war im Oktober wieder deutlich positiv und steigt leicht auf +0,9 Prozent. Industrielle Güter ohne Energie kosteten +0,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, Dienstleistungen verteuerten sich um +1,3 Prozent. Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak wiesen mit +1,5 Prozent sogar die stärkste Preissteigerungsrate im laufenden Jahr auf.

Neben der Energiepreisentwicklung bilden die nationalen Vorabschätzungen der Inflationsraten aus Deutschland, Italien und Spanien die Basis der Schnellschätzung für die EWU. Während die Jahresrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) in Deutschland um 0,4 Prozentpunkte auf 0,2 Prozent stieg, nahm sie in Spanien von -1,1 Prozent auf -0,9 Prozent zu. In Italien blieb die Inflationsrate im positiven Bereich. Sie fiel mit +0,3 Prozent nach +0,2 Prozent im Vormonat ebenfalls leicht stärker aus.

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