Wie lange kann der DAX überschiessen?

Update zum DAX-Kursziel: Jüngste Kurserholung wird von den Fundamentaldaten nicht getragen

Im Oktober konnte der DAX einen Großteil der im August und September erlittenen Kursverluste wettmachen. Es bedurfte „nur“ einer neuerlichen Bekräftigung der EZB, alles zu tun wollen, um deflationäre Tendenzen zu bekämpfen, und schon setzten DAX und Bund-Future wieder zur dynamischen Erholung an.

Die Kurserholung beim DAX findet dabei vor dem Hintergrund einer unverändert schwachen globalen Konjunktur statt. Die Sorgen um China und eine zunehmende Flaute in den Emerging Markets setzen vielen deutschen Unternehmen zu, entsprechend häufig fielen die Quartalsberichte auch schlechter aus.

Aktien werden zunehmend nicht mehr wegen positiver Erwartungen an die zukünftige Geschäftsentwicklung der Unternehmen gekauft, sondern in Erwartung zusätzlicher Nachfrage wegen fehlender Anlagealternativen. Dass sich die Fundamentaldaten für die Unternehmen jüngst verschlechtert haben, bleibt dabei außen vor. Die lockere Geldpolitik scheint in Europa – wie auch in Japan – unverändert der zentrale Kurstreiber bei Aktien zu sein.

Trotz der angeschlagenen Weltkonjunktur und verschiedener Enttäuschungen im Zuge der Berichtssaison verbleibt die Mehrzahl der deutschen und europäischen Unternehmen auf einem soliden Wachstumskurs. Auch aufgrund der attraktiven Dividendenrendite dürften Aktien weiter von Investoren gesucht bleiben. Dies könnte sich im Zuge möglicher weiterer Maßnahmen der EZB durchaus verstärken. Wir gehen davon aus, dass die lockere Geldpolitik weiterhin die risikobehafteten Anlageklassen unterstützen wird. Solch ein Aufschwung könnte den DAX durchaus bis in das Frühjahr 2016 hinein zu einem Anstieg verhelfen.

Mittelfristig ist es aber wahrscheinlich, dass sich die Märkte, ähnlich wie im April 2015 sowie im Frühjahr 2012 nach der ersten Liquiditätsflut, nicht allzu lange von den geldpolitischen Stimuli werden blenden lassen. Steigt die Unsicherheit über den tatsächlichen Zustand der Weltwirtschaft wieder an, drohen DAX & Co. neue Enttäuschungen, weil das erreichte Bewertungsniveau nach unserer Einschätzung nur bei einem dynamischen Gewinnwachstum zu rechtfertigen ist, nicht aber bei Stagnation auf solidem Niveau.

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Ein Kommentar

Es wird sehr spannend. Gerade, wenn die EZB ihr QE-Programm noch ausweiten sollte. Man könnte schon von einer Blasenbildung sprechen, wenn der Markt eine Ausweitung ähnlich annimmt, wie Ende Januar 15, als NUR der Beschluss, dass QE-Programm zu starten veröffentlicht wurde.

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