Warnsignale bei Unternehmen und anstehende Zinswende: Bärenmarkt in den USA dürfte sich fortsetzen

Die Berichtssaison in den USA steht vor dem Finale. Über 90% der S&P-500-Unternehmen haben Zahlen über das abgelaufene Quartal vorgelegt. Die Berichte fielen dabei tatsächlich unerfreulich aus, der Indexgewinn beim S&P 500 dürfte im dritten Quartal laut Datenanbieter Factset um 2,1% gefallen sein. Dies ist zwar nicht ganz so schlimm wie zu Beginn der Berichtssaison erwartet (minus 5%), aber immer noch der stärkste Gewinnrückgang seit der Finanzkrise 2008/09. Der amerikanische Aktienmarkt steckt damit offiziell in der Gewinnrezession, definiert als zwei Quartale in Folge mit Gewinnrückgängen.

Der Gewinnrückgang ist zu einem großen Teil auf den Einbruch des Ölpreises zurückzuführen. Dieser hat bei den Energiewerten zu einem Ergebnisrückgang von knapp 60% geführt. Zusätzlich belastete auch erneut der starke US-Dollar, der speziell den exportstarken Unternehmen Umsatz- und Gewinnwachstumseinbußen brachte.

Neu hinzugekommen ist in der Berichterstattung der Unternehmen die Warnung vor einer Verschlechterung der Wirtschaftslage im verarbeitenden Gewerbe. Speziell Unternehmen aus den Bereichen Werkstoffe und Industrie berichteten diesbezüglich bereits von stark rückläufigen Gewinnen (-20%).

Eine positive Wende für die US-Unternehmen ist nicht in Sicht. Die Erwartungen an das Schlussquartal wurden in den vergangenen Tagen von den Analysten nochmals deutlich abgesenkt. Inzwischen wird ein erneuter Rückgang der Gewinne auf Gesamtmarktebene erwartet, diesmal sind es 4%.

Fallende Gewinnschätzungen sind üblicherweise Gift für Aktienkurse. Setzen sich die Gewinnrevisionen noch einige Wochen fort, wird die ohnehin schon hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis-Bewertung des S&P 500 (2015e: 17,8) weiter untergraben. Ohne fundamentalen Unterbau könnte der Markt buchstäblich ins Leere laufen und über längere Zeit korrigieren. Schon heute stellt sich bei der Betrachtung der jüngsten Unternehmensergebnisse die Frage, ob die Kurserholung des S&P 500 von über 11% seit dem August-Tief gerechtfertigt war.

Die Erwartung eines ersten Zinsschritts der Fed im Dezember macht es den Aktienmärkten dabei nicht leichter. Auch bei den letzten Zinswenden 1994 und 2004 reagierten die Märkte mit Kursverlusten, die erst nach vielen Monaten aufgeholt werden konnten.

Ein weiterer zeitnaher Rücksetzer erscheint vor dem Hintergrund der beschriebenen Entwicklungen durchaus möglich. Der Bärenmarkt, in dem sich S&P und Co. seit Mai 2015 befinden, dürfte sich fortsetzen, insbesondere nachdem gestern auch die 200-Tage-Linie im Index nach unten durchschritten wurde. Andere Aktienmärkte erscheinen vor diesem Hintergrund attraktiver.

 

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