Das Tüpfelchen auf dem „I“ der Internationalisierung des Renminbi

China ist ein weiterer wichtiger Schritt bei der Internationalisierung seiner Währung geglückt. Der IWF-Stab hat dem Renminbi bescheinigt „frei verwendbar“ zu sein, was eines der beiden Kriterien für die Eignung als Währung im Korb der Sonderziehungsrechte ist. Seine hohe Verbreitung im Außenhandel steht seit Jahren außer Frage, bei der Einordnung der „freien Verwendbarkeit“ gibt es breiten Interpretationsspielraum,den der IWF-Stab jetzt offenkundig zugunsten Chinas genutzt hat. Das abschließende Votum des IWF-Exekutivrates steht zwar noch für den 30. November aus, sollte sich letztlich aber Formalie erweisen. Der Bräutigam hat die Braut schon über die Schwelle getragen, dem Vollzug der Hochzeitsnacht steht damit eigentlich nichts mehr im Wege. Die Einschränkung „eigentlich“ muss erfolgen, da die Entscheidungen des Exekutivrats deutlich stärker politisch geprägt sind als die des IWF-Stabs. US-Finanzminister Lew hat bereits signalisiert, die Aufnahme positiv zu begrüßen, was die Wahrscheinlichkeit eines US-Einspruchs schwinden lässt. Dennoch verbleibt die theoretische Möglichkeit eines Vetos, da sowohl die EU-Länder (gemeinsam) als auch die USA (alleine) über eine Sperrminorität verfügen.

Wir rechnen als Folge der IWF-Entscheidung zwar zunächst mit einem tendenziell positiven Sentiment für Chinas Währung, allerdings nicht mit einer fortgesetzten und erst nicht mit einer markanten Rallye. Die große Mehrheit der Beobachter hatte ohnehin bereits auf einen positiven Bescheid gesetzt, so dass keine umfangreichen Umschichtungen nötig sein dürften. Wie wir an anderer Stelle bereits ausführlich dargelegt hatten (DZ BANK Devisen Flash vom 15.09.2015 „RMB und Sonderziehungsrechte: Sturm im Wasserglas“), ist der Schritt in erster Linie symbolischer Natur. Weder gibt es automatische Kapitalflüsse noch zwingende Portfolioumschichtungen aufgrund der absehbaren Korbaufnahme. Ganz ohne Frage trägt der Ritterschlag zur IWF-Reservewährung dazu bei, die noch bestehende Unsicherheit gegenüber RMB-Investitionen abzubauen, insofern ist der SZR-Aspekt das Tüpfelchen auf dem „I“ der RMB-Internationalisierung. Diese hat allerdings weitaus mehr Ausprägungen, etwa in Form der Zins-Liberalisierung, der Etablierung eines neuen Zahlungssystems oder der Vielzahl an CNH-Offshore-Zentren.

Die spontane Reaktion des Yuan auf die Entscheidung des IWF-Stabs spricht Bände: Während der Offshore-CNH unübersehbar zur Stärke neigt, bewegt sich das Onshore-Pendant (USD-CNY) zwar in die gleiche Richtung, aber weitaus zögerlicher. Hier scheint die mehr oder weniger unausgesprochene Warnung der chinesischen Notenbank vor einer unangemessenen Aufwertung die Spekulationen auszubremsen.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *