Japan: Schwache Konjunktur im dritten Quartal 2015

Japans Wirtschaft ist im dritten Quartal mit -0,2 Prozent( ggü Vorquartal, einfach Rate) erneut geschrumpft und damit in eine „technische Rezession“ zurück gefallen. Das zweite Quartal wies bereits einen Rückgang in ähnlicher Höhe aus. Maßgeblich für den jüngsten Wachstumsrückschlag waren die sehr schwachen Investitionen, die um 0,7 Prozent niedriger ausfielen als im Vorquartal. Gleichzeitig haben die Unternehmen die Vorratshaltung stark abgebaut, was ebenfalls auf dem Wachstum lastete. Die negativen Effekte, die von der Investitionsseite auf die Gesamtwirtschaft ausstrahlen, konnten am Ende auch nicht von der besser als erwarteten Entwicklung des privaten Verbrauchs kompensiert werden, der trotz der trendmäßigen Stagnation des Konsumentenvertrauen immerhin um 0,5 Prozent zugelegt hat.

Auch bei Japans Importen gab es ein überraschend starkes Plus von 1,7 Prozent, nachdem diese im Vorquartal noch um -2,8 Prozent gefallen waren. Dieser enorme Swing hat für sich gesehen das Wirtschaftswachstum ebenfalls stark belastet. Dies wurde aber mehr als kompensiert durch ein starkes Plus bei den Exporten von +2,6 Prozent. Im Vorquartal waren sie mit -4,3 Prozent stark gesunken. Insgesamt hat damit zumindest der Außenhandel mit seinem leicht gestiegen Nettoüberschuss das japanische Wachstum, wenn auch nur leicht, gestützt. Die Sorgen, dass der abnehmende Wachstumstrend in China über die „Exportschiene“ auch das Gesamtwachstum in Japan stark in Mitleidenschaft ziehen würde, hat sich so zumindest zuletzt nicht bestätigt.

Wir sehen die jüngsten Wirtschaftszahlen aus Japan mit Ernüchterung. Unsere ohnehin schon sehr vorsichtige bisherige Wachstumsprognose von 0,7 Prozent für das Gesamtjahr 2015 lässt sich nun nicht mehr halten, es sei denn man unterstellt ein außerordentlich starkes Jahresendquartal. Auch wenn sich einige Sentimentindikatoren zuletzt ein wenig verbessert haben, und auch obwohl der starke Anstieg der neuen Maschinenbauaufträge vom September eine gewisse Erholung bei den privaten Investitionen verspricht, ist ein regelrechter Wachstumsschub zum Jahresende nicht sehr wahrscheinlich. Wir haben daher unsere BIP-Prognose für dieses Jahr auf 0,6 Prozent reduziert.

Was die Aussichten für nächstes Jahr betrifft, so ist das zuletzt so schwache Wachstum kein Anlass für Optimismus. Man kann nach der neuerlichen Rezession im Sommerhalbjahr allerdings nun mehr noch als zuvor erwarten, dass Premierminister Abe versuchen wird, ein neues Fiskalpaket mit kurzfristig stimulierenden Wirkungen vorzubereiten. Angekündigt hat er entsprechende Absichten bereits. Auch die Notenbank wird gegebenenfalls weitere Lockerungsmaßnahmen beschließen und auf absehbare Zeit die Zinsen nahe Null halten.

Auf jeden Fall ist es wichtig für die Konjunktur und auch für die Beschäftigungssicherung, dass die Unternehmen bald wieder mehr investieren. Aus der letzten Tankan-Umfrage der Notenbank klang diesbezüglich nur ein leichter Trend hin zu einer Verbesserung durch. Für den Konsum ist jedoch zu erwarten, dass er im Vorfeld der nächsten Konsumsteueranhebung (April 2017) einigermaßen stabil bleiben sollte und für sich betrachtet keinen Grund liefert, dass sich die jüngste Rezession in Japan am Ende verfestigt. Wir rechnen für 2016 im Gegenteil weiter mit einem Gesamtjahreswachstum von 1 Prozent.

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