Deutsche Branchen spüren geringere Nachfrage aus den Schwellenländern

In den letzten Jahren war die Nachfrage der Schwellenländer noch ein wichtiger Treiber für das deutsche Wirtschaftswachstum. Nun aber sorgen die geringere Wachstumsdynamik in China sowie die Rezessionen in Russland und Brasilien für Enttäuschung bei den exportorientierten Unternehmen. Die Exportrückgänge nach Russland lagen im bisherigen Jahresverlauf in allen Branchen des verarbeitenden Gewerbes im zweistelligen Prozentbereich. Der Rezession in Brasilien konnten sich bisher immerhin das Ernährungsgewerbe, die Hersteller von Lederwaren, die Pharmahersteller und die Produzenten sonstiger Fahrzeuge wie etwa Schiffe und Züge entziehen.

Besonders hoch ist die Bedeutung der Schwellenländer für den Automobilbau und den Maschinenbau, die beiden umsatzstärksten Branchen des verarbeitenden Gewerbes. In der Autoindustrie machten die wichtigsten Schwellenländer im vergangenen Jahr mehr als ein Viertel der gesamten Exporte aus. Im Maschinenbau waren es sogar rund 30 Prozent. Während die Hersteller von Autos und Autoteilen die geringeren Exporte nach China (-10 Prozent), Brasilien (-24 Prozent) und Russland (-38 Prozent) durch steigende Nachfrage aus anderen Schwellenländern wie etwa der Türkei (+46 Prozent) und Indien (+29 Prozent) überkompensieren konnten, gelang dies den Maschinenbauern nicht. Zwar stiegen die Maschinenausfuhren in den ersten acht Monaten dieses Jahr in Länder wie Polen (+8 Prozent), die Türkei (+16 Prozent) sowie Indien (+27 Prozent) beträchtlich. Der Einbruch der Exporte nach China (-6 Prozent) und Russland (-29 Prozent) konnte jedoch nur aufgrund gestiegener Nachfrage aus Industrieländern wie den USA und Großbritannien ausgeglichen werden.

Die Exportzahlen für Maschinen sowie für Autos und Autoteile zeigen: Bei den Schwellenländern gibt es derzeit nicht nur Länder in der Rezession oder mit einer schwächeren Wachstumsdynamik. Es gibt auch weiterhin Staaten, die ein beträchtliches Wachstumstempo vorlegen, was sich auch in einer steigenden Nachfrage nach deutschen Gütern äußert. So konnten die Exporte von Waren aus dem verarbeitenden Gewerbe in Deutschland nach Indien 2015 bisher um mehr als 15 Prozent zulegen. Von dieser Entwicklung können fast alle Industriebranchen profitieren. Besonders stark stieg die Nachfrage nach Erzeugnissen der pharmazeutischen Industrie. Die Ausfuhren in die Türkei konnten sogar noch dynamischer zulegen.

Insgesamt hat sich die deutsche Exportwirtschaft auf das das langsamere Wirtschaftswachstum in China eingestellt und nimmt andere Schwellenländer stärker in den Fokus. Dennoch behauptet sich China als einer der wichtigsten Handelspartner für Deutschland. Zudem liegen die chinesischen Wachstumsraten trotz der Abkühlung weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der übrigen Schwellenländer.

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