Weltrekord am M&A-Markt

Der Markt für Fusionen und Übernahmen (englisch Merger & Acquisitions, kurz „M&A“) erreicht dieser Tage einen neuen Rekordstand, wie der Blick auf die aktuellen Statistiken zeigt. Nach der Ankündigung des 180 Mrd. US-Dollar-Deals der Pharmakonzerne Pfizer und Allergan wird der bisherige Höchststand von 2007 eingestellt und dies bereits einen Monat vor Jahresende. Der Zusammenschluss der beiden Pharma-Giganten wäre das zweitgrößte, jemals am M&A-Markt getätigte Geschäft. Nur die Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone im Jahr 1999 fiel noch größer aus. 2015 wurden bisher gemäß Bloomberg-Datenbank Deals im Wert von 4,6 Bio. US-Dollar umgesetzt, davon waren knapp 61 sogenannte „Mega“-Deals mit einem Transaktionsvolumen von 10 Mrd. USD oder mehr.

Der niedrige Schuldzins ist nicht der einzige Grund für den Boom am M&A-Markt. Zusätzlich wirkt sich auch die überdurchschnittliche Barmittelbevorratung der Unternehmen aus. Viele Gesellschaften halten Überschussliquidität vor, also Mittel, die nicht zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs benötigt werden und möchten diese investieren. Dazu kommt zusätzlich das nachlassende Umsatzwachstum in verschiedenen Branchen und Ländern, weshalb die Unternehmen versuchen, über Zukäufe neue Segmente zu erschließen. Auch sind gegebenenfalls Übernahmen im Ausland attraktiv, damit Bargeld-Bestände in anderen Ländern nicht steuerpflichtig repatriiert werden müssen. Dies zeigt sich aktuell insbesondere bei US-Unternehmen.

Die Motive der Unternehmen, durch M&A-Transaktionen extern wachsen zu wollen, sind nachvollziehbar. Betriebswirtschaftlich gesehen stellt sich aber vielfach die Frage der Bewertungen. Auf dem gegenwärtigen Niveau der Aktienkurse sind Übernahmen keine klare Angelegenheit mehr. Der Medianwert aller Bewertungen hat jüngst ebenfalls ein hohes Niveau erreicht. Bei solch erhöhten Kaufpreisen stellt sich vielfach die Frage, ob die kombinierten Unternehmen genügend Synergien realisieren können, um den Übernahmepreis rechtfertigen zu können.

Die Voraussetzungen für eine Fortsetzung des Booms dürften aber auch in Zukunft noch gegeben sein, weil die Zinsen zunächst noch sehr niedrig bleiben werden und Investoren unverändert bereit sein dürften, die Übernahmen durch den Kauf von Unternehmensanleihen zu finanzieren.

Hierzulande fiel die Entwicklung während der vergangenen Jahre relativ ruhig aus, obwohl die Unternehmen ähnlichen Bedingungen (wenig Wachstum, gute Bilanzen, niedrige Zinsen) unterliegen. Auch deutsche Unternehmen könnten daher in den kommenden Quartalen verstärkt in den M&A-Fokus rücken, hier ist der Markt von alten Rekorden noch weit entfernt.

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