Der IWF heißt den Renminbi willkommen

Die Entscheidung ist gefallen: ab dem 1. Oktober 2016 wird der Renminbi mit einem Gewicht von 10,92% in den SZR-Korb des IWF aufgenommen. Bei der Prüfung der möglichen Folgen ist zu unterscheiden zwischen dem weichen Faktor Prestigegewinn und den harten Faktoren in Form von Portfolioumschichtungen. Entgegen häufig zu vernehmender Meinung ist die Klassifizierung des Renminbi als Reservewährung NICHT automatisch mit erhöhter RMB-Nachfrage verbunden. Weder fragt der IWF selber aktiv RMB-Anleihen für den SZR-Korb nach, noch müssen Zentralbanken den Renminbi zwingend als Reservewährung halten, nur weil er plötzlich in den SZR-Korb gehört. Uns ist auch kein privates Portfolio bekannt, das seine Allokation an den IWF-Statuten ausrichten würde.

Für China selber ändert sich vor allem, dass es seine Verpflichtungen gegenüber dem IWF in Renminbi begleichen kann. Bislang muss China seine Einlagen beim IWF in anderen, „freely usable“ Währungen begleichen. Das würde im Falle einer Devisenknappheit einen relevanten Unterschied machen – aber davon kann bei China wohl kaum die Rede sein. Gelegentlich ist auch zu lesen, dass China seinen Bestand an Devisenreserven massiv reduzieren könnte, nun da der Renminbi zur IWF-Reservewährung aufgestiegen ist (da China ja nun jederzeit berechtigt ist, im Falle einer Devisenknappheit beim IWF Liquidität anzufordern). Chinas Bedarf an aus Vorsichtsmotiven gehaltenen Reserven würde sich demnach verringern. Diesem Gedankengang würden wir uns evtl. anschließen, wenn Chinas Reservehaltung ihre Motivation aus Vorsichtsüberlegungen ziehen würde – was offensichtlich nicht der Fall ist.

Der indirekte Effekt durch die Signalwirkung und der Prestigegewinn für Chinas Währung sind dagegen nicht zu vernachlässigen. Für viele Anleger sind Investitionen in Renminbi noch ein Buch mit mindestens sieben Siegeln. Eine offizielle Adelung des Renminbi durch den IWF könnte dazu beitragen, diese „unspezifische Unsicherheit“ abzulegen. Die Evolution von Chinas Währung zu einer der großen Weltwährungen scheint unaufhaltsam, mit fortschreitender Konvertibilität ist auch der Erfolg als globale Investitions- und Reservewährung vorprogrammiert. Durchaus relevant könnte die SZR-Entscheidung auch innerhalb Chinas sein. So wie die Aufnahme in die Welthandelsorganisation im Jahr 2001 ein Katalysator für Reformen war, könnte auch die jüngste IWF-Entscheidung Einfluss darauf haben, ob Reformbefürworter oder -gegner künftig mehr Gehör erhalten.

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