EZB stockt QE auf – Marktakteure zeigen sich enttäuscht

Die europäischen Währungshüter haben im Rahmen ihrer heutigen Zinssitzung entschieden, den geldpolitischen Stimulus weiter zu erhöhen. So haben die Notenbank-Oberen den Einlagensatz um zehn Basispunkte auf nunmehr minus 0,30% gesenkt. Darüber hinaus wurde beschlossen, das Anleiheankaufprogramm zumindest bis März 2017 zu verlängern. Des Weiteren wird die EZB zukünftig die ihr aus dem QE-Programm zufließenden Zinserträge und Rückzahlungen wieder für Anleihekäufe verwenden. Zu guter Letzt hat die Notenbank auch den Katalog ankaufbarer Wertpapiere erweitert und will zukünftig Anleihen von regionalen Gebietskörperschaften kaufen.

Die Marktteilnehmer zeigten sich, ablesbar an den scharfen Reaktionen, sichtlich enttäuscht – hatte die EZB in den letzten Wochen doch selbst dazu beigetragen, dass sich eine hohe Erwartungshaltung (Erhöhung des monatlichen Kaufvolumens, stärkere Einlagensatzsenkung, zweiteiliger Einlagensatz) aufgebaut hatte, die nun enttäuscht wurde. Stattdessen scheint die EZB nun eine entspanntere Haltung einzunehmen.

Nach Einschätzung der europäischen Währungshüter sind die heute beschlossenen Maßnahmen dazu geeignet, die Eurozone widerstandsfähiger gegenüber potenziellen konjunkturellen Abwärtsrisiken zu machen. In diesem Zusammenhang hat Draghi als Risikofaktor insbesondere die nachlassende konjunkturelle Dynamik in den Emerging-Markets-Ländern hervorgehoben. Grundsätzlich rechnet die Notenbank aber mit einer fortgesetzten graduellen Erholung der europäischen Wirtschaft. Diese Erwartung spiegelt sich auch in den überarbeiteten Projektionen der EZB-Stabsmitarbeiter wider. Diese rechnen für das kommende Jahr weiterhin mit einem BIP-Plus von 1,7%. Der Ausblick für 2017 wurde sogar um 0,1 Prozentpunkte auf 1,9% angehoben. Den Ausblick haben die EZB-Stabsmitarbeiter für die Teuerungsauswicklung nur leicht nach unten revidiert. Angesichts dessen, dass die EZB-Oberen zuletzt die Abwärtsrisiken für die Inflationsentwicklung besonders hervorgehoben haben, hatten wir mit einer umfangreicheren Abwärtsrevision gerechnet.

Letztlich wurden die Inflationsprojektionen für 2016 und 2017 lediglich um jeweils 0,1 Prozentpunkte gesenkt. Für 2016 liegt die Inflations-Projektion nunmehr bei 1% und für 2017 bei 1,6%. Draghi hat aber auch herausgestellt, dass die neuen Maßnahmen aufgrund der fortgesetzten Abwärtsrevisionen der letzten Zeit, die eine schwache Inflationsdynamik abbilden, ergriffen wurden und es nicht unbedingt nur auf die heutigen Zahlen ankam.

Auch wenn sich Draghi davon überzeugt zeigt, dass die getroffenen geldpolitischen Beschlüsse dazu geeignet sind, die Inflation mittelfristig in Richtung des EZB-Inflationsziels steigen zu lassen, hat er weiterhin die Handlungsbereitschaft und die Handlungsfähigkeit der Notenbank hervorgehoben. In diesem Zusammenhang hat der Notenbank-Chef insbesondere die Flexibilität des Anleiheankaufprogramms hervorgehoben. Allerdings hat sich Draghi dahingehend bedeckt gehalten, welche Anpassungen die Notenbank zukünftig noch vornehmen könnte. Auf die Frage eines Journalisten, welche Wertpapiere die Notenbank zukünftig noch ankaufen könnte, hat Draghi geäußert, dass es für solche Spekulationen derzeit noch zu früh sei. Im Zuge der Pressekonferenz kam auch die Frage auf, inwieweit mit Blick auf den Einlagensatz nunmehr die Untergrenze erreicht sei. Eine konkrete Antwort ist der Notenbankchef allerdings auch hier schuldig geblieben und hält sich damit erneut alle Optionen offen.

Mit Blick auf die Marktreaktionen ist festzustellen, dass die Notenbank die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Die Finanzmarktakteure hatten mit einem deutlich umfangreicheren Maßnahmenpaket gerechnet. Angesichts dessen, dass die Markterwartungen durch die zahlreichen Wortmeldungen verschiedener EZB-Vertreter im Vorfeld der Zinssitzung angeheizt wurden, muss der Kommunikationspolitik der Notenbank ein schlechtes Zeugnis ausgestellt werden. In den kommenden Monaten muss sich nunmehr zeigen, inwieweit sich die Inflation in die von der EZB gewünschten Richtung entwickelt. In diesem Zusammenhang sehen wir nunmehr die März-Zinssitzung im Fokus. Zu diesem Zeitpunkt veröffentlichen die EZB-Stabsmitarbeiter erstmals Inflations-Projektionen für das Jahr 2018. Hier muss sich zeigen, inwieweit das EZB-Inflationsziel von unter aber nahe bei 2% erreicht werden kann.

 

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