Devisenmarkt: Ungarischer Forint und polnischer Zloty beenden das Jahr angeschlagen

Sowohl der Zloty als auch der Forint haben derzeit gegenüber dem Euro nichts zu lachen. Während sich die polnische Landeswährung gegenüber der Gemeinschaftswährung in Untiefen präsentiert, in denen sie sich zuletzt Ende 2014 aufgehalten hat, bewegt sich der Forint auf dem niedrigsten Stand seit Anfang des Jahres.  Dass die beiden kleinen osteuropäischen Währungen besonders seit der letzten EZB-Sitzung derart unter die Räder gekommen sind, liegt zum einen an der Sorge des Marktes, wonach es zu einem deutlichen Kapitalabzug aus der Eurozone kommen könnte, sollte die Fed, wie weitgehend erwartet, in der kommenden Woche tatsächlich die Leitzinswende einläuten. Zum anderen lässt der nahende historische Zinsschritt der Fed auch die kleinen osteuropäischen Währungen im aktuellen, EM-skeptischen Umfeld nicht kalt.

Zu diesen globalen Belastungsfaktoren kommen nationale Stolpersteine hinzu. Hiervon kann besonders der Zloty ein Lied singen, zeigt er sich doch von dem politischen Rechtsruck im Land, den dadurch aufgekommenen Diskussionen um die politische Unabhängigkeit der Zentralbank sowie der sich nur zögerlich zurückbildenden Deflation verunsichert. Hinweise, wie es um die Preisentwicklung in Polen im November bestellt war, erhalten wir am Dienstag. Allzu viel sollte unserer Ansicht nach jedoch nicht von diesen Zahlen erwartet werden. So haben doch die entsprechenden Größen aus Ungarn und Tschechien, welche bereits bekannt gegeben wurden, gezeigt, dass die Teuerungsraten langsamer als allgemein erwartet an Fahrt aufnehmen. Für Polen sollte daher ein erneuter, wenn auch gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat geringerer Preisrückgang einkalkuliert werden.

Das Thema nationale Stolpersteine ist, in deutlich abgeschwächter Form, auch für den Forint ein Thema. Im Fokus steht hier die dortige Zentralbank (MNB). Diese dürfte den allgemeinen Markterwartungen zufolge bei ihrer Sitzung morgen zwar den Leitzins unverändert bei 1,35% belassen. Allerdings halten sie es nicht für ausgeschlossen, dass die MNB zu unkonventionellen geldpolitischen Kniffen greifen wird. Aus Notenbankkreisen war in den letzten Wochen zu hören, dass Maßnahmen zur Senkung der Zinsen am langen Ende als geeigneter einzuschätzen sind, als eine erneute Leitzinssenkung, um den Wachstums- und Inflationsrisiken erfolgreich zu begegnen und vor allem um die Kreditvergabe an Unternehmen zu erhöhen. Zudem könnte die MNB in diesem Zusammenhang weitere Schritte einleiten, um die Nachfrage der dortigen Geschäftsbanken nach ungarischen Staatsanleihen zu stärken und die Abhängigkeit des Landes von ausländischem Kapital zu reduzieren. Sollten die ungarischen Währungshüter tatsächlich wie vom Markt erwartet zu derartigen Maßnahmen greifen, dürfte sich der Forint vor dem Hintergrund der trüben Großwetterlage darüber wenig erfreut zeigen.

Wir gehen davon aus, dass sich die beiden kleinen osteuropäischen Währungen vor dem Hintergrund der eingangs beschriebenen Gemengelage an Belastungsfaktoren in dieser Woche nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber dem US-Dollar in der Defensive befinden dürften. Um nachhaltige Niveaus sollte es sich hierbei jedoch nicht handeln. Vielmehr wäre der Markt zu Beginn des kommenden Jahres auf seiner Suche nach neuen Themen gut beraten, sich die vergleichsweise solide fundamentale Entwicklung dieser Länder in Erinnerung zu rufen. In diesem Zusammenhang sollte er dann auch hinterfragen, inwieweit die noch bestehenden geldpolitischen Lockerungserwartungen gerechtfertigt sind.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *