Japan: Tankan-Umfrage mit stabilem Unternehmensklima am Jahresende

Die vierteljährliche Unternehmensbefragung der Bank of Japan, der so genannte Tankan-Bericht, hat für das vierte Quartal stabile Sentimentwerte im Hinblick auf die aktuelle Geschäftslage erbracht: Der Gesamtindex für alle großen Industrieunternehmen blieb mit 12 Punkten unverändert gegenüber dem Niveau von vor drei Monaten. Damit stuft weiter eine kleine Mehrheit der Unternehmen ihr aktuelles Geschäftsumfeld als gut ein. Dieses Ergebnis ist insofern positiv, als die allgemeine Markterwartung von einer leichten Eintrübung des Indexes ausgegangen war.

Unveränderte Bewertungen für das aktuelle Umfeld gab es auch bei den Großunternehmen des Dienstleistungssektors, die mit 25 Punkten überdurchschnittlich gut gestimmt sind. Bezogen auf die Gesamtheit aller japanischer Unternehmen – große wie kleine und aus allen Wirtschaftssektoren – gab es eine geringfügige Indexverbesserung um einen Punkt auf 9. Dies ist gegenüber dem Durchschnittswert aller Großunternehmen (18 Punkte) immer noch ein eher unbefriedigender, niedriger Wert. Der aktuelle Tanken Bericht macht damit deutlich, dass es in Japan weiterhin ein deutliches Stimmungsgefälle gibt: Auf der einen Seite die gut aufgestellten und wettbewerbsfähigen Großunternehmen, auf der anderen Seite die Vielzahl der kleinen und mittelständischen Betriebe, für die das aktuelle Wettbewerbsumfeld mit seinen niedrigen Preiserhöhungsspielräumen und wechselkursbedingt hohen Importpreisen recht hart ist.

Bei den Geschäftserwartungen für die kommenden drei Monate gab es im jüngsten Tankan eindeutig eine Enttäuschung. Für das kommende Quartal sind nämlich praktisch alle japanischen Unternehmen pessimistischer gestimmt. Am stärksten ist der Rückgang bei den großen Industrieunternehmen (von 16 auf nur noch 10 Punkte). Die großen Dienstleister (Versicherungen, Banken, Gesundheitswesen, Verkehr- und Transport, etc.) befinden sich in dieser Wertung dagegen immer noch auf dem ersten Platz. Ihr Zukunftsvertrauen ist relativ wenig gesunken von 21 auf 19 und übertrifft damit im Gegensatz zu den Unternehmen der anderen Gruppen immer noch das vergleichbare Tankan-Ergebnis vom Frühsommer.

So positiv es ist, dass sich das aktuelle Geschäftsklima in Japan zuletzt nicht verschlechtert hat, so bedenklich ist dennoch der zum Teil deutliche Rückgang der Erwartungen. Für die Industrie bedeutet dies, dass neue Investitionsprojekte wohl weiterhin nur sehr vorsichtig und eher zurückhaltend angegangen werden. Dabei mag vor allem die schwächer werdende Konjunkturdynamik in China eine Rolle spielen und die generellen Absatzerwartungen im Export gedämpft haben. Dagegen sehen Dienstleistungsunternehmen, weil vorrangig auf den Binnenmarkt orientiert, auch weiterhin einigermaßen befriedigende Absatzchancen in den kommenden drei Monaten. Die Konjunktur in Japan, die im Sommerhalbjahr nur knapp an einer technischen Rezession vorbeigeschrammt ist, bleibt damit fragil und störungsanfällig. Das laufende Jahresendquartal sollte aber dennoch mit einem leichten Wachstum bei der gesamtwirtschaftlichen Leistung abschließen.

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