Mittelstand kann sich dem schwächeren internationalen Umfeld nicht ganz entziehen

Die Stimmung im deutschen Mittelstand hat sich seit dem Frühjahr eingetrübt. Dies zeigen die Ergebnisse unseres aktuellen Mittelstandsberichts. Während die Bewertung der aktuellen Geschäftslage nur geringfügig nachgab und mit einem Antwortsaldo von 68,3 Punkten weiterhin auf einem sehr hohen Niveau bleibt, fielen die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate mit 16,9 Punkten unter ihren langjährigen Durchschnittswert (22,9 Punkte). Die mittelständischen Unternehmen bleiben jedoch mehrheitlich optimistisch. Jeder fünfte Mittelständler will Personal einstellen, die durchschnittliche Eigenkapitalquote der mittelständischen Firmenkunden steigt um kräftige 2,7 Prozentpunkte auf 26,6 Prozent und die Investitionsneigung fällt gegenüber dem Frühjahr nur etwas verhaltener aus.

Immerhin 77,6 Prozent der Mittelständler planen in den nächsten sechs Monaten in ihr Unternehmen zu investieren. Angesichts nur durchschnittlich ausgelasteter Kapazitäten spielt der Ausbau der vorhandenen Kapazitäten jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich die Hälfte der befragten Unternehmen möchte in den Kapazitätsausbau investieren. Zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Unternehmens setzen dagegen immerhin 81 Prozent der Mittelständler ihre Investitionsmittel ein. Ersatzinvestitionen, also Investitionen, die der Erneuerung der bestehenden Anlagen dienen, übertreffen mit 63 Prozent ebenfalls noch die geplanten Ausgaben für eine Kapazitätserweiterung.

Getrübt wurde die Entwicklung der deutschen Wirtschaft im Jahr 2015 durch Schwierigkeiten im internationalen Umfeld, denen sich auch der Mittelstand nicht entziehen konnte. So ist dessen Auslandsengagement leicht zurückgegangen. Wegen der Ukraine-Krise deutlich an Bedeutung verloren haben Russland und Mittel- und Osteuropa. Insbesondere aufgrund der nachlassenden Wachstumsdynamik hat zudem China leicht an Anziehungskraft eingebüßt. Dazu kommen noch eine zunehmende Unsicherheit über die weitere Entwicklung, steigende Lohnkosten sowie die Schwierigkeit, Fachkräfte zu finden und zu halten. Nutznießer dieser Entwicklung ist vor allem Nordamerika.

Dieses Jahr bot dem deutschen Mittelstand eigentlich positive Rahmenbedingungen: Niedrige Energiepreise senkten die Kosten für die Unternehmen und regten zusammen mit der stabilen Lage am Arbeitsmarkt den Konsum an. Der schwache Euro half exportorientierten Betrieben im außereuropäischen Ausland wettbewerbsfähiger zu werden. Und niedrige Zinsen sorgen für günstige Kredite, von denen Unternehmen und Häuslebauer profitieren sollten. Das Niedrigzins-Umfeld hat aber nicht nur positive Auswirkungen für die mittelständischen Unternehmen: So freut sich zwar knapp ein Drittel über Kostensenkungen, aber fast 43 Prozent gaben an, dass ihre Zinseinnahmen aus Anlagen sinken.

Die Ergebnisse unserer Studie, die zum dritten Mal vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), von der WGZ BANK AG und von der DZ BANK AG gemeinsam erstellt wurde, vermitteln zusammenfassend ein verhalten optimistisches Bild des deutschen Mittelstands, der trotz der Schwierigkeiten im internationalen Umfeld zuversichtlich bleibt.

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