Stress am High Yield-Markt – Ansteckungsgefahr für Aktien?

Bei Kapitalanlegern werden die Sorgenfalten immer tiefer. Erst waren es Rohstoff- und Emerging Markets-Investitionen, die deutliche Kursverluste verbuchen mussten. Später folgten die Aktienkurse, die in einem Umfeld rückläufiger Unternehmensgewinne, hoher Bewertung und allgemeiner Reife des Kursaufschwungs in einen Bärenmarkt gezwungen wurden.

Wenige Tage vor dem lang erwarteten Zinsschritt der US-Notenbank ist nun der nächste Dominostein umgefallen und der Abverkauf von Risikoassets hat sich nochmal beschleunigt. Diesmal kamen in den USA die „High Yield“-Anleihen, Unternehmensanleihen mit deutlich schlechterer Bonität, unter massiven Verkaufsdruck.

Der Auslöser für die initialen Kursverluste dieser Anleihen war der fallende Rohölpreis, der die Gewinnperspektiven – und damit auch die Zinstragfähigkeit – vieler Unternehmen aus der Ölbranche infrage stellt. In den letzten Tagen hatte sich die Korrektur am High Yield-Markt nochmals verstärkt, unter anderem auch, weil ein renommierter US-Vermögensverwalter einen Fonds schloss und den Kunden den Verkauf der Anteile verbot.

Viele Investoren fühlen sich nun an das Jahr 2007 erinnert, als erste Fondsgesellschaften die Rückgabe von Anteilen in Fonds für Hypothekenanleihen verweigerten.

Tatsächlich ist es aber keine Überraschung, dass die Anleger nun flüchten. Wir hatten im November analysiert, dass das Niedrigzinsumfeld der vergangenen Jahre viele Fehlanreize für Investoren gesetzt hatte und diese vermehrt in vermeintliche sichere Assets wie Aktien, Immobilien, Private Equity, Mischfonds, Hedge Funds, aber auch High Yields-Anleihen, Kunstgegenstände und andere Anlagevehikel investiert hatten. Nun zeigt sich die Kehrseite der Medaille: Käufe zu solch hohen Kursen lassen keinen Spielraum für Fehleinschätzungen zu. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Anleger über den ETF-Markt in High Yields investiert haben.
Bei diesen kann ein Missverhältnis bezüglich der Handelsliquidität im ETF selbst (hohe Liquidität) und den im Fonds gehaltenen Anleihen (sehr geringe Liquidität) bestehen. Dieses kann in Stresssituationen wie Ende August oder heute zu hohen Preisausschlägen führen, weil Verkäufe nur mit hohen Preisabschlägen möglich sind.
Tatsächlich gab es Korrekturen am High Yield-Markt in der Vergangenheit relativ häufig, insbesondere in den Jahren, in denen die US-Konjunktur auch in eine Rezession driftete. Als Frühindikator taugt die Kursentwicklung am High Yield-Markt aber vermutlich aber nur bedingt. Vielmehr scheint es aktuell so, als ob die Kurse der Hochverzinslichen nun die Konsolidierungsbewegung am US-Aktienmarkt nachvollziehen.
Wir erwarten 2016 weder eine Rezession in den USA noch einen Crash am US-Aktienmarkt, auch weil wir davon ausgehen, dass Ölpreis und Zinsen niedrig bleiben. Vor dem Hintergrund der aus unserer Sicht unverändert unsicheren Lage bei Risikoassets und zu erwartenden Kursverlusten bei Bonds infolge mittelfristig steigender US-Renditen erscheint es aber angebracht, dass ein mögliches USD-Exposure mit wenig schwankenden Assets abzubilden.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *