Déjà vu: Enttäuschende Konjunkturzahlen schicken Aktien in China auf Talfahrt

Beginnt nun die Panik von neuem? Der schwächer ausgefallene Einkaufsmanagerindex (PMI) von Markit für das verarbeitende Gewerbe in China hat heute Morgen einen Kursrutsch an den chinesischen Börsen ausgelöst, woraufhin der Handel dort ausgesetzt und vorzeitig beendet wurde. Das wichtige Stimmungsbarometer für Chinas Industrie war anstatt etwas zu steigen wieder leicht von 48,6 auf 48,2 Punkte zurückgefallen. Der Wert blieb damit erneut weit unter der Wachstumsgrenze von 50 Punkten. Auch der zweite Indikator für das Industrieklima, der vom chinesischen Statistikamt veröffentlichte Einkaufsmanagerindex, der bereits seit Neujahr vorliegt, verharrte unterhalb dieser wichtigen Marke, konnte sich gleichwohl minimal von 49,6 auf 49,7 Zähler verbessern.

Die aktuelle Entwicklung erinnert stark an die Turbulenzen vom Sommer letzten Jahres, als schwächere Konjunkturindikatoren wochenlang zu Ausverkäufen an den chinesischen Aktienmärkten geführt haben. Weltweit wurden Befürchtungen geschürt, in der zweitgrößten Volkswirtschaft stünde ein scharfer Wachstumseinbruch bevor. Wir haben schon damals an dieser Stelle davor gewarnt, die hochvolatilen chinesischen Aktienmärkte als Konjunkturbarometer (miss-) zu verstehen. Weder sind sie in der Vergangenheit dem Konjunkturzyklus zuverlässig vorausgelaufen, noch haben sie die reale Nachfrage positiv oder negativ beeinflusst – das haben die massiven Kurskorrekturen vom Sommer gezeigt, die ohne reale Wirkung blieben. Wir plädieren deshalb auch jetzt dafür, die Konjunktur losgelöst von der Börsenentwicklung zu analysieren.

 

Die jüngsten Indikatoren haben zwar einige Enttäuschungen mit sich gebracht, zeichnen insgesamt aber ein gemischtes und sicherlich noch kein beunruhigendes Bild. Dass der Markit-PMI nun wieder etwas schwächer notiert, haben auch wir so nicht erwartet, da wir mit Rückenwind aus der Autoindustrie gerechnet hatten. Diese erfährt derzeit durch Steuererleichterungen eine Sonderkonjunktur. Gleichwohl stellt der aktuelle Rückgang nach zwei kräftigen Anstiegen in Folge nur einen leichten Rücksetzer dar und mitnichten einen Einbruch. Noch im September lag der Indikator einen vollen Indexpunkt niedriger. Hinzu kommt, dass die tagelangen Werksschließungen zur Eindämmung der enormen Smog-Belastung stärker als erwartet auf den Umfrageergebnissen vom Dezember gelastet haben könnten. Positiv zu verbuchen ist dagegen die leichte Verbesserung des Industrie-Einkaufsmanagerindexes des chinesischen Statistikamtes sowie der deutliche Anstieg des Umfragewertes für den Dienstleistungsbereich. Dieser erreichte mit 54,4 Punkten ein 16-Monats-Hoch.

Die nun vorliegenden Zahlen reihen sich nahtlos in das Bild, dass sich Chinas Wirtschaft in einem fundamentalen Umbruch befindet. Die Bedeutung des industriellen Sektors, der bislang fast 50 Prozent zur Wirtschaftsleistung beisteuerte, soll zurückgefahren werden. Dies zeigt sich längst in den Wachstumszahlen der Industrie, die sich innerhalb der letzten Jahre weit mehr als halbiert haben. Dass darunter auch die Stimmung leidet, ist nur nachvollziehbar. Bislang war der Rückgang der Umfragewerte sogar weniger ausgeprägt als die tatsächliche Wachstumsverlangsamung in der Industrie. Der Dienstleistungsbereich soll dagegen deutlich gestärkt und zum Träger des Wachstums werden. Insgesamt schlägt sich der Strukturwandel in China in einem nachlassenden gesamtwirtschaftlichen Wachstum nieder – ein Trend der sich auch in diesem und im kommenden Jahr fortsetzen wird. Dass er in einem Wachstumseinbruch münden könnte, kann zwar nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Nach wie vor sollte die Wirtschaftspolitik Pekings aber noch ausreichend Spielräume besitzen, um sich erfolgreich gegen ein solches „hard landing“ stemmen zu können.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 3.67

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *