EWU-Inflationsrate im Dezember nur bei +0,2 Prozent – Stagnation der Verbraucherpreise im Gesamtjahr 2015

Die Inflationsrate in der Europäischen Währungsunion blieb im Dezember unverändert bei +0,2 Prozent. Damit liegt die für die Europäische Zentralbank (EZB) maßgebliche Messzahl zur Ausrichtung ihrer Geldpolitik weiterhin nur knapp über der Nulllinie. Mit den vorläufigen Daten der Dezember-Inflationsrate ergibt sich für das Gesamtjahr 2015 eine Stagnation bei den Verbraucherpreisen, also eine Inflationsrate von Null. Die endgültige Veröffentlichung für das Gesamtjahr 2015 erfolgt erst in gut zwei Wochen, wenn die finalen Daten für den Dezember von der europäischen Statistikbehörde Eurostat bestätigt werden. Eine große Überraschung dürfte da aber nicht mehr zu erwarten sein.

Mit Blick auf die einzelnen Unterbereiche des Warenkorbs zeigt sich erneut ein deutlicher Rückgang bei den Preisen für Energiegüter. Sie sanken gegenüber dem Dezember 2014 um -5,9 Prozent. Dies war zwar in jährlicher Betrachtung der geringste Preisrückgang seit Juli des abgelaufenen Jahres. Dennoch sorgten die Energiepreise – wie schon im gesamten Jahr 2015 – wieder einmal dafür, dass die Inflationsrate sich nicht weiter von der Nulllinie wegbewegen konnte. Hinzu kam im Dezember ein geringerer Preisauftrieb bei Dienstleistungen sowie Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabak. Die „Kernrate“ liegt im Dezember weiterhin knapp unter einem Prozent. Industrielle Güter ohne Energie kosteten +0,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, Dienstleistungen verteuerten sich nur um +1,1 Prozent. Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak wiesen mit +1,2 Prozent sogar die schwächste Preissteigerungsrate seit Juli auf.

Die EZB befindet sich nach wie vor in einer schwierigen Lage. Die Inflationsrate liegt zum Jahresende 2015 deutlich unter dem eigentlichen Inflationsziel der EZB von knapp 2 Prozent. Dieses Ziel wird auf absehbare Zeit auch kaum zu erreichen sein. Zum einen läuft die Konjunkturerholung in der EWU nur langsam und die Arbeitslosenquote liegt im Durchschnitt der Euro-Länder noch immer über 10 Prozent, was kaum Spielraum für einen kräftigeren nachfragebedingten Preisschub bietet, der die Inflationsrate stärker antreiben könnte als bislang. Zum anderen hat die EZB mittels ihrer geldpolitischen Maßnahmen kaum Einfluss auf die Preise für Energie. Dass die Energiepreise aber in den nächsten Monaten weiter die Inflationsrate bremsen werden, scheint schon absehbar. Zurzeit notiert der Preis der für ein Fass Öl der Sorte Brent bei nur gut 37 US-Dollar und damit etwa 30 Prozent niedriger als vor einem Jahr. In 2016 erwarten wir insgesamt einen Ölpreis zwischen 40 und 45 US-Dollar. Damit dürfte sich Öl gegenüber 2015 nochmals durchschnittlich um 20 Prozent verbilligen. Im Gesamtjahr 2016 erwarten wir die Inflationsrate der EWU daher nur bei rund 0,5 Prozent.

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