Aktienmärkte 2016 – Hohe Volatilität, aber (kleines) Happy-End in Europa und Japan

Mit einem tiefroten Minus sind die Aktienmärkte in das neue Jahr gestartet. So verzeichnete der Euro Stoxx 50 den bis heute zweitschlechtesten Jahresauftakt seit Auflage des Index. Enttäuschende Konjunkturdaten aus China hatten an den globalen Aktienmärkten zu deutlichen Rückschlägen geführt.

Was die Entwicklung der Frühindikatoren betrifft, steht China nun in einer Reihe mit den Schwellenländern sowie den USA und Kanada, wo die Industrie-Einkaufsmanagerindizes unterhalb der Wachstumsschwelle notieren. Großen Anlass zu Sorge sehen wir in Bezug auf die Konjunktur in China jedoch unverändert nicht, vielmehr ist es so, dass sich Chinas Wirtschaft derzeit in einem fundamentalen Umbruch befindet, der auch zukünftig immer wieder auf Stimmung und Wachstum drücken wird, langfristig aber als positiv einzustufen ist.

Trotz einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung in den Überseemärkten dürften die Unternehmen in Europa auch 2016 ein solides, wenn auch im Vergleich zu den Vorjahren schwächeres, Umsatz- und Gewinnwachstum ausweisen. Die Schwäche des Euro dürfte auch 2016 den Exporten zugutekommen, die Refinanzierungskosten für die Unternehmen bleiben gering und die solide Nachfrage aus dem Binnenmarkt bleibt ein Garant für stabile Unternehmensgewinne. Auf Anlegerseite bleiben die Anlagechancen zudem rar, so dass Aktien grundsätzlich aussichtsreich bleiben. Im Rahmen unserer Allokation stufen wir die europäischen Indizes attraktiver ein als viele andere Märkte, z.B. den durch einige Übertreibungen und den starken Dollar belasteten US-Markt.

Die Kursperspektiven für den DAX und den Euro Stoxx 50 haben sich durch den jüngsten Rückschlag wieder gebessert. Die Bewertung ist günstiger geworden, die zu vereinnahmende Dividendenrendite (DAX 3,1%, Euro Stoxx 50 3,6%) ist mittlerweile wieder sehr attraktiv.

Maßgeblich getrieben durch den Mangel an Anlagealternativen erwarten wir einen Anstieg des Euro Stoxx 50 bis zur Jahresmitte auf 3.400 Punkte und zum Jahresende auf 3.600 Punkte, umgerechnet sind dies rund sieben und 13 Prozent Kurspotenzial. Für den zyklischeren DAX gehen wir von einer etwas schwächeren Entwicklung aus und erwarten den Index per Jahresmitte und –ende bei 10.500 und 11.000 Punkten, also gegenüber heute bis zu sieben Prozent höher. Den Großteil der Kurserholung erwarten wir dabei im zweiten Halbjahr, zunächst drohen infolge der schwächeren Weltkonjunktur noch kurzfristige Enttäuschungen, insbesondere auch im Hinblick auf die bald beginnende Berichtssaison, die in den USA ihren Auftakt markieren wird.

Die Volatilität dürfte 2016 mindestens so hoch ausfallen wie im vergangenen Jahr. Im Jahresverlauf 2016 dürfte der DAX innerhalb einer Schwankungsbreite zwischen 9.400 und 12.000 Punkten handeln, weil es immer wieder auch zu Enttäuschungen und Unsicherheit kommen kann. Die vergangene Berichtssaison, aber auch die jüngsten Enttäuschungen aus China haben gezeigt, wie sensibel die Märkte derzeit auf schlechte Neuigkeiten reagieren. Die positiven Faktoren, wie z.B. die niedrigen Kapitalmarktzinsen infolge der expansiv agierenden EZB, treten zunächst in den Hintergrund.

Mit dem schwelenden Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, der Unsicherheit über die europäische Einheit im Zuge der Flüchtlingskrise, den militärischen Machtspielen Nordkoreas, anstehenden Wahlen in den USA und Japan sowie den Fragen um den zukünftigen EU-Status Großbritanniens könnten zudem neue potenzielle Risiken entstehen.

In unseren Empfehlungen stufen wir aus genannten Gründen Europa (und Japan) derzeit attraktiver ein als den teuren US-Markt. Für Investitionen in Emerging Markets-Aktien scheint es noch zu früh. Hier stehen auch 2016 neue Herausforderungen an (Gewinnrezession, Mittelabflüsse infolge steigender US-Zinsen).

In Europa selbst fällt es hinsichtlich der Allokation schwer, einen geeigneten Branchenmix auf der Aktienseite zu finden. Zyklische Aktien sind sehr günstig bewertet, weil sich aber zunächst noch die Abwärtsspirale bei den Gewinnrevisionen fortsetzen sollte, scheint es für einen Kauf noch zu früh. Die Konsumwerte, die von der stabilen Binnenkonjunkturnachfrage profitieren, hingegen sind hoch bewertet. Trotzdem scheint ein stärkerer Fokus auf dienstleistungsstarke / binnenmarktorientierte Titel sinnvoll, um Portfolios nicht vollends den erhöhten Schwankungen zyklischer Werte auszusetzen. Unternehmen mit starker Bilanz, guter Stellung und überzeugender Dividendenpolitik, die wir regelmäßig im Rahmen unseres „Dividendenaristokraten“-Ansatzes suchen, bleiben für längerfristig orientierte Anleger Trumpf.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *