EWU-Wirtschaftsvertrauen: Lichtblick in sorgenvollen Tagen

Turbulent hat das Jahr 2016 mit Negativschlagzeilen vor allem aus Fernost begonnen. Da lockert das gute EWU-Wirtschaftsklima (ESI) die angespannte Stimmung zumindest etwas auf, im Dezember ging es mit +0,7 auf 106,8 Indexpunkte weiter aufwärts. Allerdings entwickelten sich die einzelnen Euroländer recht unterschiedlich. Gewinne verbuchten vorwiegend die kleineren Volkswirtschaften des Euro-Raumes sowie Italien und Spanien. In Frankreich gab die Stimmung hingegen leicht und den Niederlanden stärker nach. Deutschland verteidigte den guten Vormonatswert.

Heruntergebrochen auf die einzelnen Wirtschaftssektoren sorgte vor allem das verbesserte Klima in der Industrie für das Stimmungsplus im Dezember. Erfreulich ragt dabei die Verbesserung der Auftragseingänge im Exportsektor heraus. Gerade der Außenhandelssektor hatte im dritten Quartal 2015 unter den schwachen Geschäften mit China, Russland und Brasilien gelitten.

Deutlich runter ging es zum wiederholten Male im Stimmungsbild des Einzelhandels. Von einem schlechten Klima kann allerdings nicht die Rede sein. Erst vor zwei Monaten erreichte das Barometer im Einzelhandel sein historisches Allzeithoch. Im Dezember sackte es auf ein noch immer ausgesprochen gutes Niveau herab. Die übrigen Komponenten – Dienstleistungssektor, Verbrauchervertrauen und Bau – legten leicht zu und setzten damit ihren Aufwärtstrend der letzten Monate fort.

Das EWU-Wirtschaftsklima für den Dezember rundet das gute Konjunkturbild für das abgelaufene vierte Quartal im Euro-Raum ab. Gegenüber dem dritten Quartal ging es sogar nochmals ein Stück weit aufwärts. Dabei signalisiert besonders das gute Klima unter Verbrauchern und im Einzelhandel eine wiederholt kräftige Unterstützung der privaten Nachfrage, auch wenn das Einzelhandels-Barometer zuletzt nachgab. Doch auch vom Exportsektor gibt es Dank besser gefüllter Auftragsbücher erste Aufhellungsanzeichen, was Hoffnung für den geschwächten Außenhandel macht. Damit ist für die EWU im vierten Quartal eine Wachstumsbeschleunigung gegenüber dem dritten Quartal wahrscheinlicher geworden. Dennoch bleibt bei der Interpretation der Daten Vorsicht geboten. Bereits im dritten Quartal hatten die Ergebnisse der ESI-Umfragen den tatsächlichen Verlauf des Wirtschaftswachstums merklich überzeichnet. Den recht großen Optimismus, der aus den Zahlen spricht, teilen wir daher nur bedingt und erwarten allenfalls eine leichte Beschleunigung des Wirtschaftswachstums im Schlussquartal 2015.

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