Winterschlussverkauf bei Chinas FX-Reserven

Auch wenn Chinas Währung schon seit Anfang Dezember mehr oder weniger unbeachtet zur Schwäche neigt, ist der weltweite Aufschrei erst seit Kurzem zu vernehmen. Dabei liegt die Vermutung nahe, dass der Protest gegen die vermeintlich unlautere Yuan-Schwäche eigentlich nur vorgeschoben ist und die eigentliche Sorge den Schockwellen gilt, die durch Chinas Börsencrashs weltweit ausgelöst werden.

Wertet China seine Währung tatsächlich ab? Besser sollte die Rede davon sein, dass der Yuan (aus freien Stücken) abwertet. Entgegen weit verbreiteter Mutmaßungen steht nämlich keine aktive Abwertungspolitik hinter der Kursschwäche – anders als etwa bei Euro und EZB-Politik im letzten Jahr. Ganz im Gegenteil hat China im Dezember so stark zur Stützung(!) des Yuan interveniert wie nie zuvor in der Geschichte. Wie soeben bekannt wurde, sind die Reserven gegenüber November um 107,9 Mrd. USD gefallen. Im Gesamtjahr 2015 sind Chinas Reserven um knapp 513 Mrd. USD, seit dem Beginn der globalen USD-Hausse im Juli 2014 sogar um 663 Mrd. USD zurückgegangen. Man mag China zwar unterstellen, dass die Währungsschwäche angesichts der konjunkturellen Situation gelegen kommt, aktiv herbeigeführt wird der Kursverfall aber ganz sicher nicht.

Die heftigen Turbulenzen an Chinas Aktienmärkten gelten oft als Vorbote für eine harte Landung der Volkswirtschaft, die in der Tat erhebliche globale Folgen hätte. Dabei sollte aber nicht vernachlässigt werden, dass Chinas Börsen nicht fundamental verankert sind (weder in Hoch- noch in Krisenphasen) und nicht auch nur annähernd Spiegelbild der realwirtschaftlichen Entwicklung sind.

Das Wissen um die umfangreichen Interventionen im Dezember machen den Ausblick für Chinas Währung noch heikler: wenn der Yuan sogar trotz der Interventionen so schwach ist, scheinen mächtige Marktkräfte am Werk zu sein. Wir fürchten daher, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist und uns mindestens bis zur Handelspause aufgrund der chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten Anfang Februar eine weitere Schwäche bevor steht. Chinas Offizielle werden zwar versuchen, stabilisierend einzugreifen und dabei vor allem auf eine Einengung des Spreads zwischen Offshore-CNH und Onshore-CNY hinwirken, nach einer Trendwende sieht es allerdings derzeit noch nicht aus.

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