EWU-Industrieproduktion: Milder Winter und schwache Auslandsnachfrage bremsen

Unerwartet deutlich gab die EWU-Industrieproduktion im November des letzten Jahres nach. Schlechte Vorboten aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden ließen das Minus in der Industrieproduktion zwar erahnen. Mit -0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat verringerte sich der EWU-Output aber so deutlich wie seit August 2014 nicht mehr. Damit wurde das starke Wachstumsplus vom Oktober 2015 (+0,8 Prozent) wieder merklich zurückgestutzt. Gegenüber dem Vorquartal ergibt sich im bisherigen Durchschnitt somit nur noch ein schwaches Plus von +0,1 Prozent.

Besonders auffällig ist der deutliche Rückgang bei der Produktion der Energiegüter um ‑4,9 Prozent. Der Schuldige ist ein Altbekannter: Die Niederlande haben die heimische Gasproduktion im Jahr 2015 wiederholt erheblich reduziert. Im November 2015 sank sie gegenüber dem Vormonat um ‑27 Prozent. Standen jedoch bisher Sicherheitsbedenken hinter den Reduktionen in der Gasförderung, dürfte im November die Ursache auch in dem zu milden Winterwetter gelegen haben.

Auch die Produktion bei den Investitionsgütern gab mit -1,9 Prozent merklich nach. Dabei hatte sich die Investitionsbereitschaft europäischer Unternehmen laut einer Umfrage der EU-Kommission im vierten Quartal wieder aufgehellt. Wie schon in den Vormonaten dürfte der Hemmschuh vor allem bei der anhaltend mauen Auslandsnachfrage liegen. Besonders die Ausrüstungsgüter-Nachfrage aus den Schwellenländern hatte in den vergangenen Quartalen erheblich nachgegeben.

Stimmung und Realität bei der Industrieproduktion klaffen in den bislang vorliegenden Daten für das vierte Quartal auseinander. Deuteten Umfrageergebnisse von Markit und der EU-Kommission auf eine Ausweitung der Produktion hin, passen die heute veröffentlichten Zahlen so gar nicht in das positive Stimmungsbild der letzten Monate. Allerdings war der Rückgang in der Industrieproduktion teilweise dem beschriebenen Sondereffekt bei den Energiegütern zuzuschreiben. Positive Vorzeichen für den Folgemonat Dezember stellen eine verbesserte Einschätzung der Auslandsnachfrage und eine gestiegene Investitionsbereitschaft dar. Dennoch könnte das Minus bei der Industrieproduktion im November bereits seine Spuren im Wachstum des vierten Quartals hinterlassen haben. So dürfte trotz des recht positiven Stimmungsbildes allenfalls eine leichte Beschleunigung im EWU-Wirtschaftswachstum des vierten Quartals zu erwarten sein.

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