Deutsche Wirtschaft lebt 2015 vor allem vom Konsum

Eine lebhafte Konsumkonjunktur hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr auf einem soliden Wachstumspfad geblieben ist. Nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Jahr 2015 um 1,7 Prozent angestiegen, minimal stärker als im Vorjahr (1,6 Prozent). Mehr als die Hälfte dieses Wachstums geht auf die privaten Konsumausgaben zurück, daneben hat auch der Konsum des Staates einen erheblichen Beitrag geleistet.

Gestützt wurde die Konsumfreude der privaten Haushalte vor allem von einer sehr günstigen Arbeitsmarktentwicklung. Die Beschäftigung ist kräftig gestiegen und liegt so hoch wie noch nie seit der Wiedervereinigung, gleichzeitig markiert die Arbeitslosenquote neue Tiefststände. Das lässt die Einkommen der Beschäftigten wie schon in den letzten Jahren kräftig zulegen. In realer Rechnung sind die privaten Konsumausgaben mit +1,9 Prozent so stark angestiegen wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Zwei „externe“ Faktoren haben sich im vergangenen Jahr ebenfalls günstig auf den Konsum in Deutschland ausgewirkt: Der Verfall des Ölpreises hat die Energieausgaben schrumpfen lassen und Raum für andere Verwendungszwecke geschaffen. Und die hohe Flüchtlingseinwanderung hat die Ausgaben des Staates nach oben getrieben, was sich sowohl beim Staatskonsum (z.B. Ausgaben der öffentlichen Hand für Unterbringung und Verpflegung) als auch beim privaten Konsum (Geldleistungen des Staates, die von den Flüchtlingen selbst ausgegeben werden) wachstumssteigernd ausgewirkt hat.

Im globalen Maßstab hat der niedrige Ölpreis nicht nur positive Wirkungen. Er belastet einige Schwellenländer, die stark vom Ölexport abhängen, ganz erheblich und trägt damit maßgeblich zu der gegenwärtigen Schwäche des Welthandels bei. Dies belastet auch den deutschen Außenhandel. Vor diesem Hintergrund konnte sich die deutsche Exportwirtschaft im vergangenen Jahr insgesamt aber noch gut behaupten: Die Ausfuhren sind mit +5,4 Prozent zwar leicht schwächer gewachsen als die Einfuhren (+5,7 Prozent), trotzdem lieferte der Außenhandel per Saldo einen leicht positiven Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum.

Auch im Jahr 2016 dürfte sich an den wichtigsten Einflussfaktoren auf die deutsche Konjunktur wenig ändern: Das internationale Umfeld bleibt schwierig, die Exportwirtschaft leidet tendenziell unter der Schwäche der Schwellenländer und den verschiedenen Krisenherden weltweit. Das Wachstum der Ausfuhren dürfte nachlassen, aber mit einem regelrechten Einbruch rechnen wir nicht. Gleichzeitig bleibt das Umfeld für den Konsum sehr günstig. Die privaten und die staatlichen Konsumausgaben werden wohl auch 2016 kräftig zulegen und die Konjunktur in Deutschland auf einem stabilen Wachstumspfad halten.

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