S&P 500-Unternehmen in schlimmster Gewinnrezession seit 2009

In den USA startet in diesen Tagen die Berichtssaison zu den Ergebnissen des vierten Quartals 2015. Wir rechnen erneut mit einem unerfreulichen Ergebnis, so dürfte der Indexgewinn beim S&P 500 im Schlussquartal um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreswert gesunken sein, die Unternehmensumsätze sollten gut drei Prozent niedriger ausfallen. Damit stecken die börsennotierten US-Unternehmen in einer tiefen Gewinnrezession, definiert als zwei oder mehr Quartale in Folge mit Gewinnrückgängen, fest. Bereits im zweiten und dritten Quartal 2015 waren die Gewinne der Unternehmen gefallen. Einen Rückgang der Unternehmensgewinne über drei Quartale hinweg gab es am US-Aktienmarkt zuletzt während der Rezession Q1 bis Q3 2009.

Belastet wurden zum einen die exportstarken Unternehmen, die seit mehreren Quartalen unter dem starken US-Dollar leiden, der zu Wachstumseinbußen bei Umsatz und Gewinn im Auslandsgeschäft führte. Maßgeblich ist der erneute Gewinnrückgang jedoch, wie schon in den Vorquartalen, auf den Einbruch des Rohölpreises zurückzuführen. Dieser stand zum Start des vierten Quartals 2014 noch bei 95 US-Dollar je Barrel Brent, also 60 US-Dollar höher als heute. Entsprechend ist bei den Energietiteln im vierten Quartal mit einem massiven Ergebnisrückgang zu rechnen, der Konsens geht aktuell von 70% aus. Mit einer aktuellen Brent-Notierung von 29 US-Dollar (WTI: 31 USD) stehen dem Sektor zudem auch in diesem Quartal weitere Gewinneinbußen bevor.

Bereits während der Berichtssaison zum dritten Quartal zeichnete sich ab, dass durch die einbrechenden Unternehmensgewinne im Rohstoffbereich auch Unternehmen der Zulieferer- und Abnehmerbranchen der Ölindustrie mittelfristig in Mitleidenschaft gezogen würden. Schließlich steht nicht nur der Ölpreis so tief wie seit zwölf Jahren nicht mehr, auch die Preise für Kupfer und andere Industriemetalle notieren so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die verschlechterte Auftragslage und Stimmung bei den Unternehmen spiegelte sich zuletzt auch bei den volkswirtschaftlichen Frühindikatoren wider, nun dürften auch die Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe mit enttäuschenden Berichtsdaten zum Abschlussquartal 2015 nachziehen. Für die Unternehmen aus den Bereichen Werkstoffe und Industrie rechnet der Konsens ebenfalls mit stark rückläufigen Gewinnen (-17%).

Eine positive Wende für die US-Unternehmen ist zunächst nicht in Sicht. Die Erwartungen der Analysten an das Auftaktquartal 2016 wurden in den vergangenen Wochen gesenkt. Inzwischen wird eine Stagnation der Gewinne auf Gesamtmarktebene erwartet. Weil zwischenzeitlich der Ölpreis weiter kollabiert ist, gehen wir jedoch davon aus, dass auch im ersten Quartal ein weiterer Gewinnrückgang droht.

Investoren beginnen daher zunehmend auch auf breiter Front, die Perspektiven des seit 2009 laufenden Börsenaufschwungs in den USA kritisch zu hinterfragen. Wir hatten hierzu in den vergangenen Monaten mehrfach unsere kritische Haltung ausgedrückt. Die Zutaten für einen Crash in den USA waren aus unserer Sicht seit längerer Zeit vorhanden, schließlich hatte die langjährige Niedrigzinspolitik sowohl bei Investoren als auch bei Unternehmen für ausreichende Fehlanreize gesorgt. So hatten sich die Unternehmen immer höher verschuldet, damit M+A-Transaktionen zu (überhöhten) Preisen finanziert oder Aktien zu hohen Kursen zurückgekauft. Und Investoren sind auf ihrer Suche nach Rendite immer größere Risiken eingehen, wie der Crash am US-High Yield-Markt im Dezember eindrucksvoll belegte. Damit liegen alle für eine Endphase eines Börsenzyklus typischen Beweise auf dem Tisch, wenngleich die niedrigen Zinsen und der tiefe Ölpreis bisher ein Urteil (Crash) verhindern konnten.

Fallende Gewinnschätzungen sind Gift für Aktienkurse. Setzen sich die Gewinnrevisionen noch einige Wochen fort, wird die ohnehin schon hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis-Bewertung des S&P 500 (2015e: 17,7) weiter untergraben. Ohne fundamentalen Unterbau dürfte der Markt tatsächlich über längere Zeit korrigieren. Andere Aktienmärkte erscheinen vor diesem Hintergrund attraktiver.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 79.00

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *