„Dieselgate“ und die Platin-Metallgruppe

Die Preise der beiden Metalle Platin (-41%) und Palladium (-46%) befinden sich seit dem Herbst 2014 in einer Abwärtsbewegung. Das Bekanntwerden des VW-Dieselskandals („Dieselgate“) im September 2015 hat diese nach unten gerichtete Bewegung intensiviert. Da mittlerweile auch gegen Renault wegen des Verdachts auf Abgasmanipulationen ermittelt wird, droht, dass der Abgasskandal in Europa noch weitere Kreise zieht. Daher erwarten wir, dass der Abgabedruck insbesondere bei Platin, das primär zur Herstellung von Dieselkatalysatoren verwendet wird, hoch bleibt.

Die VW-Dieselaffäre wird kurzfristig das Image von Dieselfahrzeugen beschädigen, besonders der US-Markt ist hiervon betroffen. Allerdings spielen Dieselfahrzeuge dort keine große Rolle. Die globale Durchschlagskraft des US-Effektes ist daher limitiert. In China zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch dort werden primär Fahrzeuge mit Ottomotoren vertrieben. Viel wichtiger für Dieselfahrzeuge ist der europäische Markt.

Bei Ottomotoren wird in Katalysatoren überwiegend Palladium verbaut. Wegen der Dieselaffäre und den stark gefallenen Spritpreisen kann es kurzfristig dazu kommen, dass Fahrzeuge mit Ottomotoren stärker nachgefragt werden als solche mit Dieselmotoren. Als Folge dürfte die Palladiumnachfrage ausgeprägter steigen als der Platinverbrauch. Dies wird von der Preisentwicklung bereits vorweg genommen und kann auch daran abgelesen werden, dass die Platinnotiz auf neue Dieselskandal-Meldungen („Renault-Verdacht“) heftiger reagiert als die Palladiumpreise.

Langfristig sind Dieselmotoren in Europa jedoch wegen der im Vergleich zu Ottomotoren geringeren CO2-Emission unverzichtbar, um politisch gewollte CO2-Reduktionsziele zu erreichen. Die Nachteile des Dieselantriebs, wie erhöhter Stickoxidausstoß und die Partikelproblematik sind technologisch in den Griff zu bekommen. Für die technologische Umsetzung ist Platin in Katalysatoren und Partikelfiltern unabdingbar. Daher erwarten wir, dass die Platinnachfragedynamik langfristig deutlich zulegen wird.

Als eine Konsequenz des Dieselskandals erwarten wir, dass sich die Emissionstestbedingungen sowohl bei Fahrzeugen mit Diesel- als auch Ottomotoren stark verschärfen werden. Unter anderem sind hier dynamische Testverfahren, die während der Fahrt und nicht auf dem Prüfstand durchgeführt werden, im Gespräch. Dadurch würden sich die Anforderungen an den Wirkungsgrad von Katalysatoren signifikant erhöhen. Hiervon dürfte die Nachfrage nach Platin und Palladium perspektivisch deutlich profitieren.

15.01.2016

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