EWU-Außenhandel: Größter Überschuss seit neun Monaten

Nach einer mehrmonatigen Durststrecke meldet sich der Außenhandel des Euro-Raumes mit einem größeren Überschuss zurück. Der um saisonale Einflüsse bereinigte Saldo der EWU-Handelsbilanz mit dem Rest der Welt verbesserte sich von +19,8 Mrd. Euro im Oktober auf +22,7 Mrd. Euro im November; das ist das stärkste Plus seit neun Monaten. Die Ausfuhren nahmen um rund +2,6 Mrd. zu, während sich die Einfuhren leicht um -0,1 Mrd. Euro verringerten.

Details für den Euro-Raum liegen mit der heutigen Schnellschätzung zum Außenhandel noch nicht vollständig vor. Allerdings lassen sich aus der Statistik für die Europäische Union (EU-28) einige interessante Informationen ableiten. So haben sich die Exporte in die wichtigen Industrieländer im bisherigen Jahresverlauf – also von Januar bis November 2015 – erheblich ausgeweitet. Hintergrund dieser Entwicklung dürften vor allem die erstarkte Binnennachfrage und der geschwächte Euro-Außenwert sein. Besonders deutlich zeigt sich das im Warenaustausch mit den USA: Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichneten sowohl die Ein- als auch die Ausfuhren ein Plus von rund 20 Prozent. Für den EU-Handelsbilanzüberschuss bedeutet allein dies ein kräftiges Plus von +18,4 Mrd. Euro.

Parallel dazu hält jedoch der Trend eines verlangsamten Exportwachstums in die großen Schwellenländer an. Gegenüber China betrug das Exportplus im Vorjahresvergleich nur noch magere +4 Prozent, während die Importe in die EU-28 starke +16 Prozent verzeichneten. Das EU-Außenhandelsdefizit mit China vergrößerte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ‑39,1 Mrd. Euro. Noch deutlich schlechter sieht es bei den Ausfuhren nach Russland aus. Diese lagen um fast ein Drittel unter dem Niveau vom Vorjahreszeitraum. Auch die Exporte nach Brasilien schrumpften um -6 Prozent. Bezogen auf die wichtigsten Produktgruppen leidet vor allem die Gruppe der Investitionsgüter unter dieser Entwicklung. Den größten Verlust im gesamten EU-Handelsüberschuss verzeichneten im Vorjahresvergleich Maschinen und Fahrzeuge mit rund ‑30 Mrd. Euro.

Ein Ende des Gegenwindes aus den Schwellenländern für die Exportwirtschaft im Euro-Raum ist derzeit nicht in Sicht. Die gestärkte Nachfrage aus den Industrieländern kann einen Rückgang beim Handelsüberschuss der EWU aber verhindern. Der von Markit ausgegebene PMI für die globale Auftragslage deutet zudem seit einigen Monaten auf eine Verbesserung im internationalen Warenverkehr hin. Besonders das Exportgeschäft für den Euro-Raum legte im Dezember 2015 so stark zu wie seit April 2014 nicht mehr. Damit könnte in den kommenden Monaten im Euro-Raum mit einer weiteren graduellen Verbesserung des Auslandsgeschäftes gerechnet werden.

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