Herzlichen Glückwunsch SNB – Jahrestag der EUR-CHF-Freigabe

Heute ist es genau ein Jahr her, dass die Schweizerische Nationalbank völlig überraschend bekanntgab, die Euro-Franken-Untergrenze von 1,20 CHF nicht mehr zu verteidigen. Das damals ausgegebene Ziel, einer ungebremsten Ausweitung der Bilanzrisiken entgegenzuwirken, dürfte die SNB als erreicht ansehen, obgleich sie auch in den vergangenen Monaten nicht gänzlich ohne Devisenmarktinterventionen auskam.

Während die wirtschaftliche Dynamik der Alpenrepublik mit einem blauen Auge davonzukommen scheint, hat die Frankenstärke die Inflationsentwicklung fest im Griff. Dabei machte sich der Preisniveaurückgang zuletzt auch vermehrt bei der Inlandskomponente bemerkbar. Umso erfreulicher dürfte aus Sicht der SNB sein, dass sich die längerfristigen Inflationserwartungen weiterhin stabil im positiven Bereich befinden.

Vor dem Hintergrund einer Inflationsrate, die sich auf absehbare Zeit in die richtige Richtung entwickeln sollte, und einem stabilen, aus Sicht der SNB akzeptablen Euro-Franken-Niveau dürfte die Zentralbank derzeit keine Veranlassung sehen, von ihrem geldpolitischen Kurs abzuweichen.

Zwar rechnen wir nicht damit, dass sich an diesem Bild etwas ändert. Insbesondere die vermeintliche Stabilität in Euro-Franken darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Notenbank weiterhin großen Herausforderungen gegenübersieht. Zum einen kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich das deflationäre Umfeld doch noch auf die Inflationserwartungen auswirkt und damit die Gefahr eines nachhaltigen Preisniveaurückgangs zunimmt. Zum anderen hängt die SNB am Tropf der Europäischen Zentralbank. Sollten die Kollegen in Frankfurt den Expansionsgrad deutlich verschärfen und damit den Kurs der Gemeinschaftswährung dauerhaft auf breiter Front unter Abgabedruck bringen, dürfte den Eidgenossen nichts anderes übrig bleiben, als ebenfalls das Leitzinsniveau abzusenken.

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