Bank Lending Survey: Weiter steigende Kreditvergabe unterstützt Konjunktur im Euroraum

Europas Banken zeigen sich im Hinblick auf die Entwicklung der Kreditnachfrage in den kommenden Monaten weiterhin zuversichtlich. Wie aus der aktuellen Befragung durch die Europäische Zentralbank hervorgeht, rechnet eine deutliche Mehrheit der Banken im Euroraum mit einer weiter steigenden Kreditnachfrage der Firmenkunden. Der Vorsprung der Optimisten beträgt knapp 30 Prozentpunkte. Das ist zwar geringfügig weniger als in der Umfrage vom Oktober letzten Jahres, aber immer noch ein sehr hoher Wert. Auch im Geschäft mit Privatkunden sind die Banken optimistisch. Sowohl im Bereich der Konsumentenkredite als auch bei den privaten Immobilienkrediten wird eine erhöhte Nachfrage erwartet.

Begünstigt wird der Optimismus sicherlich auch durch ein anziehendes Kreditgeschäft in den letzten Monaten. Bis Ende November 2015 wuchsen die Kundenkredite der Banken im Euroraum auf 16.774,3 Mrd. Euro. Im Vergleich zu Ende November 2014 bedeutet das einen Zuwachs um 3,4 Prozent. Das ist das stärkste Kreditwachstum seit 2011. Zwar wird der Anstieg vor allem von den privaten Wohnungskrediten getragen. Doch verzeichnen auch die Firmenkundenkreditbestände – nach Jahren des Rückgangs – in den letzten Monaten allmählich wieder eine spürbare Belebung.

Die guten Nachrichten sind auch deshalb bemerkenswert, weil sich das Kreditgeschäft im Euroraum zum Sorgenkind entwickelt hatte. Ab 2011 waren insgesamt nur mäßig wachsende oder gar schrumpfende Kundenkreditbestände der Banken zu beobachten. Vor allem 2013 und 2014 gingen die Ausleihungen dann immer weiter zurück. Die kräftigen Kreditabflüsse wurden mit Sorge betrachtet, weil Engpässe in der Kreditversorgung Südeuropas mit dazu beitrugen, dass die lang ersehnte konjunkturelle Erholung nur zögerlich einsetzte und auf tönernen Füßen stand.

Auch wenn sich der Aufschwung im Euroraum inzwischen verfestigt hat, sind zuletzt diverse Problemen aufgetaucht, die das Potenzial haben, zu eskalieren und die Wachstumsaussichten in Europa und der Welt deutlich zu dämpfen. Dazu zählen die Flüchtlingskrise und eine zunehmende Abwendung von den europäischen Gemeinsamkeiten, ein drohender EU-Austritt Großbritanniens oder das Konfliktpotenzial im Nahen Osten. Umso wichtiger sind positive Signale.

Bei der jüngsten Kreditentwicklung – die auch von der Geldpolitik der EZB profitiert – und der optimistischen Nachfrageeinschätzung der Banken handelt es sich um positive Signale, die zur Festigung des Aufschwungs in Europa beitragen. Vor allem auch, weil die Banken insgesamt keine Verschärfung ihrer Kreditrichtlinien planen. Ganz im Gegenteil: Sowohl im Bereich der privaten Wohnungskredite und Konsumentenkredite als auch im Firmenkundengeschäft beabsichtigen die befragten Banken mehrheitlich eine Lockerung ihrer Kreditstandards. Das spricht dafür, dass die Banken Europas an den Aufschwung glauben und bereit sind, dessen Finanzierung zu unterstützen.

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2 Kommentare

Dieter Stüttgen

Hallo Herr Bielmeier,

Sie schreiben in Ihrem Kommentar von einer weiterhin
steigenden Kreditnachfrage bei europäischen Banken.
Dass Kredite derzeit (noch) von Verbrauchern und Häuslebauern
nachgefragt werden ist für mich schlüssig.
Jüngst gab es jedoch verschiedene Hinweise auf eine
deutlich rückläufige Investitionstätigkeit der Unternehmen.
Eine rückläufige Investitionstätigkeit der Unternehmen
müsste sich ja dann folglich auch in einer rückläufigen Kreditvergabe
an Unternehmen wider spiegeln?
Teilen Sie diese Einschätzung nach Ihrem Kenntnisstand?

Diese Frage erscheint mir deshalb als essentiell, da ich mich erinnern
kann, dass vergangene Börsenabstürze sehr oft damit begonnen haben,
dass Unternehmen nicht mehr investieren.

Derzeit kennt die Börse auch fast nur den Weg nach unten.
Ich glaube, dass politische Risiken im Zusammenhang mit der
Flüchtlingskrise, von denen Sie auch in Ihrem Artikel schreiben,
noch gar nicht in den Aktienkursen eingepreist sind.
Wenn in Europa aufgrund der Flüchtlingskrise etwas schief geht,
dann gute Nacht.

Aber weg vom politischen Gedankengang.

Nach vielen Aufschwungsjahren passt fast alles
zu einem gravierenden Niedergang der Aktienkurse.
Nur eines nicht!
Die Bewertung der Aktien in der Breite des Marktes.
Diese finde ich nämlich ausgesprochen attraktiv bewertet.

Das war Ende 2007/Anfang 2008 ganz klar anders.
Daher bin ich mir aktuell sehr unsicher, welchen Weg die Börse von hier aus einschlagen
wird.
Wie sehen Sie die Entwicklung der Börse im Jahr 2016/2017?

MfG

D. Stüttgen

Stefan Bielmeier

Ich bin weiterhin konstruktiv für die Aktienmärkte. Die Konjunktur sollte sich im Laufe von 2016 nicht abschwächen. Insbesondere die niedrigen Ölpreise sollten das binnenwirtschaftliche Wachstum stürzen. Die politischen Herausforderungen in Europa wird man sicherlich lösen können. Aber auch diesmal wird es ein beschwerlicher Weg werden, dessen Unwägbarkeiten die Aktienmärkte zeitweise belasten dürfte.

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