Rohöl: Früheres Iran-Comeback

Frühzeitige Iran-Rückkehr erhöht das Überschussangebot in 2016

Am letzten Wochenende – und somit drei Monate früher als erwartet – hat die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) dem Iran bescheinigt, die im Juli 2015 fixierten Abmachungen des Wiener Atom-Abkommens eingehalten zu haben. Infolge des IAEO-Votums haben EU und USA umgehend einen Großteil ihrer Iran-Sanktionen aufgehoben. Somit darf der Iran u.a. das Volumen seiner Rohölexporte – im Rahmen seiner physischen Fördermöglichkeiten – wieder nach eigenem Ermessen dimensionieren, wobei nun auch wieder die EU als Kunde bereitsteht.

Wir rechnen damit, dass der Iran seine aktuell bei 2,9 mbd rangierende Rohölproduktion zum Jahresende 2016 schrittweise auf 3,4 mbd erhöhen wird. Die Rohölexporte des Iran dürften zwischen Februar und Mai 2016 sogar noch etwas kräftiger zulegen als die Fördermenge, da der Iran seine in den Vorjahren unfreiwillig angelegten „schwimmenden Rohölreserven“ zusätzlich in den Markt lancieren wird.

Die frühzeitige Rückkehr des Iran hat Effekte auf die Größenordnung und die zeitliche Dynamik der globalen Rohölbilanz: Erstens fließen dem Markt durch den „iranischen Frühstart“ im Jahr 2016 ~50 Mio. Barrel mehr Rohöl zu als bisher erwartet. Zweitens treffen ~50% dieses Volumens bereits im (saisonal nachfrageschwachen) 2Q2016 und nicht wie zuvor erwartet im (nachfragestärkeren) 3Q2016 auf den Markt.

Auch jenseits des frühzeitigen Iran-Comebacks haben sich die Aussichten für eine Erholung des jüngst auf 29 USD gefallenen Rohölpreises zuletzt verschlechtert. So zeigt sich die Angebotsseite weniger preiselastisch als zuvor vermutet. Insbesondere in den USA, aber auch in Russland und in der „Nordsee-Region“ zeigen die Fördermengen eine Preisrobustheit, die ihnen mit Blick auf die monatelange Extrem-Preisdiät kaum zuzutrauen war. Ein weiterer Mosaikstein, der uns zum Umdenken bezüglich des Timings einer Rohölpreis-Erholung gebracht hat, ist das Wachstum des chinesischen Rohölproduktverbrauchs, welches sich in den letzten Monaten des vergangenen Jahres fühlbar verlangsamt hat.

Auf Basis unserer neuen Kalkulationen nehmen wir unsere Preisprognose für das Jahr 2016 von 45 auf 30 USD herunter. Da wir die für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage erforderlichen Reaktionen der Angebotsseite nun erst 2017 erwarten, gehen wir demzufolge auch erst für dieses Zeitintervall wieder von nachhaltig steigenden Rohölpreisen aus. Das Ausmaß des Rohöl-Comebacks bleibt dabei aufgrund der schieren Höhe der in der Interimszeit aufgelaufenen Lagerbestände eher bescheiden. Per Jahresende 2017 erwarten wir den Rohölpreis bei 40 USD.

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