S&P verteilt Vorschusslorbeeren an Griechenland

S&P hat am vergangenen Freitag das Rating Griechenlands von zuvor CCC+ auf B- heraufgestuft. Der Ausblick ist nunmehr stabil. S&P ist die erste Agentur, die Griechenland nach der Krise des vergangenen Jahres wieder auf B- heraufgestuft hat. S&P begründet diesen Schritt unter anderem mit der gelungenen Rekapitalisierung der Banken, einer relativen Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft in der Phase des politischen Schocks sowie der guten Aussichten auf das Gelingen der anstehenden Rentenreform. S&P erwartet ferner, dass die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern über eine Senkung der Schuldentraglast im Ergebnis sowohl niedrigere Zinskosten als auch eine Verlängerung der Laufzeiten haben könnten.

Mit der Entscheidung, Griechenland auf B- herauf zu stufen, ist S&P erneut dem Ruf, in Sachen Griechenland-Rating vorzupreschen, gerecht geworden. Ziemlich genau vor einem Jahr, am 6. Februar 2015, hatte S&P Griechenland schon einmal auf B- heraufgestuft. Damals erfolgte die Heraufstufung kurz nach dem ersten Syriza-Wahlsieg, der die bereits im Dezember 2014 begonnene politische Krise verschärfte. S&P musste die „Fehleinschätzung“, die politischen Risiken unzureichend berücksichtigt zu haben, bereits kurze Zeit später wieder korrigieren.

Auch die Entscheidung vom vergangen Freitag nimmt einige positive Entwicklungen (Rentenmarktreform, Schuldendiensterleichterungen), auf welcher die Rating-Entscheidung basiert, vorweg. Wenngleich einiges für die Einschätzung von S&P spricht, dass eine Einigung über die zeitlich bereits nach hinten verschobene Rentenreform zwischen den Gläubigern und der Regierung eher wahrscheinlich ist, birgt die Reform innenpolitische Sprengkraft. Die Gläubiger fordern, dass auch die Bezieher mit durchschnittlicher Rente in die Kürzungen einbezogen werden und nicht allein zukünftige Rentner mit überdurchschnittlich hohen Bezügen herangezogen werden. Es drohen weitere Proteste im Inland und die Regierung sieht sich einer Zerreißprobe ausgesetzt. Obwohl die aktuell eher schlechten Umfragewerte für Syriza gegen Neuwahlen sprechen, ist die Gefahr eines Scheiterns der Koalition mit ANEL nicht gebannt. In dem Fall müsste Premier Tsipras neben der Möglichkeit von Neuwahlen auch die Option eines Wechsels des Koalitionspartners ausloten.

Das Ergebnis der Verhandlungen über Schuldendiensterleichterungen, die noch gar nicht begonnen haben und vor allem von Frankreich forciert werden, ist ebenfalls noch nicht absehbar. Während sich einige Gläubiger für Erleichterungen aussprechen, setzen andere, darunter Deutschland, hohe Hürden für eine Einigung. Die Bundesregierung fordert zum einen, dass der IWF sich auch am aktuellen Hilfsprogramm für Griechenland beteiligt. Zum anderen könnte der erfolgreiche Abschluss des aktuellen Reviews, der wiederum neben der Rentenreform auch andere fiskalisch relevante Reformen einschließt, abgewartet werden. Dieser könnte mehrere Wochen oder gar Monate in Anspruch nehmen.

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