Verpasst Deutschland die digitale Zukunft?

Das Schlagwort „Industrie 4.0“ ist in aller Munde. Nach dem Einsatz von Maschinen, der Arbeitsteilung am Fließband und der Automatisierung soll mit der „Industrie 4.0“ die vierte Stufe der industriellen Revolution vollzogen werden. Maschinen, Werkzeuge und auch die hergestellten Produkte müssen dazu vollständig miteinander vernetzt werden. Mit Vollendung des Zukunftsprojekts „Industrie 4.0“ könnte die Industrie in Deutschland ihre bisher gute Stellung auf dem Weltmarkt auf sehr lange Sicht hin festigen. Hierzu sind aber beträchtliche Investitionen notwendig. In den letzten Jahren zeichnete sich die deutsche Wirtschaft aber nicht gerade durch eine hohe Investitionstätigkeit aus.

Insbesondere die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Software und Datenbanken sind von großer Bedeutung, damit ein wichtiges Zukunftsprojekt wie die „Industrie 4.0“ erfolgreich und in einem angemessenen Zeitrahmen abgeschlossen werden kann. Beide Segmente sind essentiell für eine innovative deutsche Wirtschaft, denn für Deutschland wird es schwierig sein, aufgrund seiner hohen Arbeitskosten als Produktionsstandort langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch dafür brauchen wir die „Fabrik der Zukunft“.

Bei den Investitionen in Software bleibt Deutschland aber weit hinter den USA zurück. Der Anteil der Investitionen in Software und Datenbanken am Bruttoinlandsprodukt ist nicht einmal halb so hoch. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch im Vergleich mit Großbritannien, Frankreich und Italien. Deutschland hat also Nachholbedarf bei IT-Investitionen.

Ein Grund dafür ist die immer noch vergleichsweise hohe Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland, während die USA (und andere Industriestaaten) sich bereits viel stärker zu einer Dienstleistungsnation entwickelt hat und zu den Dienstleistungen zählen eben auch die großen Internet- und Softwarekonzerne.

Ein Lichtblick bleibt jedoch für die deutsche Wirtschaft: Im Segment Forschung und Entwicklung können wir zumindest Schritt halten. Der Anteil der Investitionen in Forschung und Entwicklung ist bei uns sogar wesentlich höher als in den Vereinigten Staaten. Hier ist Deutschland für die Zukunft gut aufgestellt. Dies ist vor allem deswegen so positiv zu bewerten, da die deutschen Industrieunternehmen ihre Heimat zukünftig immer weniger als reinen Produktionsstandort und stattdessen immer mehr als Zentrum für Produkt- und Prozess­innovationen nutzen werden.

26.01.2016

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