Kurzfristige Wechselkursprognosen auf Basis der Kaufkraftparität besser als ihr Ruf

Die Theorie der Kaufkraftparität ist insbesondere in der Wissenschaft ein seit Jahrzehnten etabliertes Konzept, um einen „angemessenen Wechselkurs“ zweier Währungen zu bestimmen. In der Praxis wird der Ansatz vorrangig angewandt, um mögliche Fehlbewertungen an den Devisenmärkten zu erfassen und ein sich daraus ergebendes Korrekturpotenzial in der längeren Frist, d.h. über mehrere Jahre hinweg, abzuleiten.

Entgegen dieses gängigen Anwendungsbereichs kann die relative Kaufkraftparität auch einen Mehrwert zur Erstellung von kurzfristigeren Wechselkursprognosen bis zu einem Jahr liefern. Dies legt ein von uns entwickeltes Modell nahe. Bei der Umsetzung dieses Modells in die Praxis gilt es, die Paramater so festzulegen, dass einerseits möglichst konkrete Aussagen über einen Wechselkurs zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft getroffen und andererseits eine angemessene Güte der Prognosen gewährleistet werden können. Beide Vorgaben können bei einer Glättung der Wechselkurse über einen Monat, einer Zeitspanne für die Preisniveauentwicklung von einem Jahr und einer Zwölfmonatsprognose für die Wechselkurse als erfüllt angesehen werden.

Die auf dieser Basis erstellten Modellprognosen offenbaren ein bemerkenswertes Ergebnis. So bewegen sich die erwarteten Kursveränderungen für die von uns generell beobachteten siebzehn EUR-Währungspaare bis zum Jahresende 2016 überwiegend in einer sehr engen Spanne zwischen -2,5% und +1,25%, und dies sowohl im G10- als auch im Schwellenländeruniversum.

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Der Gewinner des Jahres 2016 ist laut Modell – mit Abstand – der Japanische Yen, sollte dieser mit fast 5% doch als einzige Währung merklich Boden gegenüber dem Euro gutmachen. Für die in den letzten Wochen bereits stark unter Abwertungsdruck geratenen Währungen, Russischer Rubel und Südafrikanischer Rand, ist darüber hinaus keine Besserung in Sicht. Vielmehr stellen die beiden Schwellenländerwährungen laut Modellprognosen die beiden größten Verlierer bis Ende 2016 dar.

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