Negativzinsen jetzt auch in Japan

Mit einer knappen Mehrheit von fünf zu vier Stimmen hat das Entscheidungsgremium der japanischen Zentralbank auf seiner jüngsten Sitzung eine Verschärfung des expansiven geldpolitischen Kurses beschlossen. So führt die Bank of Japan ab Mitte Februar einen negativen Einlagesatz ein und tritt damit in die Fußstapfen der Schweizerischen und der Europäischen Zentralbank. Explizit stellen die Währungshüter dabei eine weitere Absenkung von jetzt -0,10% in den Raum. Darüber hinaus wurde das Erreichen des Inflationsziels von 2% – mal wieder – zeitlich nach hinten verschoben und soll neuerdings erst Ende 2017 vollbracht werden. Das Staatsanleiheankaufprogramm blieb hingegen unangetastet.

Dass die Bank of Japan angesichts einer anhaltend schwachen fundamentalen Situation und eines wenig besseren Ausblicks früher oder später etwas machen muss, hatten wir seit längerem auf der Agenda. Und dass der Druck zuletzt zugenommen hat, war ebenfalls zu erkennen. Dennoch war die jetzt vollzogene Absenkung des Einlagesatzes im Vorfeld der Sitzung alles andere als ausgemachte Sache. Zum einen hatte der Notenbankvorsitzende Kuroda vergangene Woche noch an seinem positiven fundamentalen Ausblick festgehalten. Zum anderen fungierte der Zinssatz seit Anfang 2013 nicht mehr als Steuerungsgröße der Geldpolitik. Und last but not least hatten die Notenbanker in den letzten Monaten immer wieder auf das immense Risiko für die Finanzstabilität hingewiesen, das im Fall Japans mit einem negativen Zinssatz einhergeht.

So überzeugend es klingt, dass die Maßnahmen darauf ausgerichtet sein sollen, die Kreditvergabe im Inland zu stützen. Naheliegender erscheint jedoch, dass die Währungshüter mit ihren Maßnahmen insbesondere auch eine Schwächung des Yen im Visier haben, um damit die internationale Wettbewerbsposition zu stärken und den Preisdruck im Inland anzukurbeln. Die Reaktion ihrer Landeswährung auf die jüngste Entscheidung dürfte die Zentralbank jedenfalls begrüßen. So verlor diese gegenüber dem Euro und dem US-Dollar zeitweise mehr als 2% und bewegt sich aktuell auf dem tiefsten Stand seit Ende vergangenen Jahres. In unserem insgesamt skeptischen Ausblick für den Yen für die kommenden Monate sehen wir uns durch die Entscheidung der BoJ bestärkt.

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