US-Wirtschaft: Nur schwaches Wachstum im Schlussquartal, aber insgesamt entsprach die Dynamik in 2015 dem Vorjahr

Im vierten Quartal hat sich der konjunkturelle Schwung in den Vereinigen Staaten deutlich verlangsamt. Nach einer ersten offiziellen Schätzung wurde ein auf das Jahr hoch gerechnetes Wachstum von nur 0,7 Prozent erreicht, nach +2,0 Prozent im Vorquartal. Diese deutliche Verlangsamung hatte sich bereits aus den vorliegenden Daten aus den einzelnen Wirtschaftsbereichen abgezeichnet. Trotz dieses schwachen Jahresabschlusses steigerte die US-Wirtschaft ihre Leistung im abgelaufenen Jahr um 2,4 Prozent und konnte damit die Wachstumsdynamik aus dem Jahr 2014 aufrechterhalten.

Dafür sorgte auch im Jahr 2015 wenig überraschend der private Konsum, der allein 2,1-Prozentpunkte zum Wachstum beitrug. Der Nettoexport, also die Differenz zwischen Ausfuhr und Einfuhr, minderte die Dynamik hingegen deutlich um knapp 0,7-Prozentpunkte. Hier schlägt sich der starke Dollar durch eine schwache Zunahme der Exporte nieder, während die Importe von der Konsumfreude der US-Bürger in die Höhe getrieben wurden. Der Wachstumsbeitrag der privaten Investitionen ging um 0,2‑Prozentpunkte zurück. Dies ist auf den ersten Blick keine allzu dramatische Entwicklung, dahinter verbergen sich jedoch gegenüber dem Vorjahr gesunkene Investitionen in Gewerbebauten und ein deutlich gedrosseltes Wachstum bei den Investitionen in Maschinen und andere Ausrüstungen. In „Güter des geistigen Eigentums“, die mitunter auch als immaterielle Anlagegüter bezeichnet werden und beispielsweise Ausgaben für Computerprogramme und Forschung umfassen, wurde allerdings noch stärker investiert als im Vorjahr. Etwas „Gas gegeben“, allerdings bei einem deutlich gemütlicheren Tempo, hat der staatliche Sektor auf der Ebene der Bundesstaaten und den lokalen Gebietskörperschaften. Ohne diesen Beitrag, auch wenn er recht klein ausfällt, wäre die Wachstumsbilanz für das Jahr 2015 schwächer ausgefallen als für das Vorjahr.

Aber wie ist nun der schwache Jahresausklang zu bewerten? Gibt es Hinweise, dass auch das laufende und die kommenden Quartale für die US-Wirtschaft recht kraftlos verlaufen werden? Bei der Beantwortung dieser Fragen sollte man vor allem im Auge haben, dass mal wieder ein Sondereffekt auf der wirtschaftlichen Dynamik lastete. Allein die Veränderung der Lagervorräte reduzierte das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal um fast 0,5-Prozentpunkte. Darüber hinaus war dem Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen in den Monaten Oktober bis Dezember eine deutliche Steigerung im dritten Quartal vorausgegangen. Nach unserer Einschätzung dürfte die US-Wirtschaft auch in diesem Jahr um rund zwei Prozent wachsen. Dafür sollte erneut eine robuste Dynamik beim privaten Konsum sorgen, die vom anhaltenden Beschäftigungsaufbau getragen wird. Ein weiterer Wachstumsträger dürfte der Wohnungsbau sein, der seinen Aufwärtstrend vor dem Hintergrund der kräftigen Häusernachfrage und dem weiterhin sehr niedrigen Zinsumfeld wohl weiter fortsetzt.

 

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